Fragen Sie Frau Andrea

Durchgangskundliches

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft


Andrea Maria Dusl
Kolumnen | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Liebe Frau Andrea,

ich weiß, das ist jetzt keine brennende Frage, aber wie ist das mit Türenaufhalten in Lokalen? Was ist da der Stand der Dinge? Ist das Oldschool-Genderblödheit oder noch aktuell? Und was machen Lesben? Liebe Grüße, Natascha Schildbeck, Leopoldstadt, per E-Mail

Liebe Natascha,

der zwischenmenschliche Umgang innerhalb und außerhalb der Geschlechter hält nicht nur Überraschungen für uns bereit, sondern auch Herausforderungen. Gleichzeitig überlagern sich die Echos von Epochen, verwirren uns die mentalitätsgeschichtlichen Brüche und Kontinuitäten. Kurz, es ist kompliziert und einfach zugleich. Laut Knigge (und nachgestellter Benimmfibeln) hält der Herr der Dame jegliche Türe auf, geht aber in Lokale vor. Auf Gehsteigen schützt der Kavalier die Besitzerin seines Herzens mit dem Gang auf der straßenseitigen Route. Auf engen Treppen geht der Herr von Welt abwärts nach und aufwärts vor, wer das nicht versteht, ist entweder bei Marcus Franz aufgewachsen oder im Jeansozän sozialisiert worden. Noch sprechen wir von Damen und Herren, Frauen und Männern, und nicht von Teilnehmern an autoritären Hierarchiegefällen, wo Höhergestellten Damenrang zugemessen wird und die Geschlechtergrenzen von westlichem Paschatum vernebelt werden. Angehörige patriarchaler Zirkel, seien sie religiöser oder profaner Natur, brechen die vorgestellten Regeln stets zugunsten des Mannes. Rockerbräute verstehen sich nicht als Damen und haben andere Zuneigunsgbezeugungen erlernt, als sie der Knigge vorschreibt. Kerle machen sich ohnedies alles eigens aus, ob sie schwul sind oder nicht. Lesben sind grundsätzlich nicht so stark im Autoritären fixiert.

Wir fassen zusammen: Alles ist möglich, nix is' fix. Eine Handlungsprämisse aber schimmert durch alle Möglichkeiten: Solidarische Menschen schützen Schwächere vor unangenehmen Situationen, unsolidarische sich selbst, Trottel sind im Handeln dem Diktat des Zufalls unterworfen, Kluge erkennen auch Unbekanntes als Herausforderung zu respektvollem Handeln. Auch wenn die Autorin als urbane Ironikerin und demokratische Republikanerin aus sozialdemokratischer Herkunft und Zukunft Höfe ablehnt.

www.comandantina.com; dusl@falter.at, Twitter: @Comandantina


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