Stadtrand Urbanismus

Rechte Recken in der Wohlfühlzone

Birgit Wittstock lotet ihre Grenzen der Meinungsfreiheit aus

Stadtleben | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Vergangenes Wochenende gab's auf Facebook Bahö: Im Beisl Stemann in der Otto-Bauer-Gasse hatten einige Dutzend schlagende Burschenschafter im Wichs als geschlossene Gesellschaft gefeiert. In so eine uniformierte Truppe reinzulaufen ist befremdlich - in einem der Hipster-Wohnzimmer Mariahilfs besonders schräg.

Was folgte, war eine Debatte, wie sie bei derartigen Vorfällen immer wieder kommt: "Wehret den Anfängen" und Boykottaufrufe auf der einen Seite, "Demokratie muss rechte Dolme aushalten, solange sie nichts Strafbares tun" auf der anderen. Schließlich möchte man in keiner Gesellschaft leben, in der Menschen aufgrund ihrer politischen Einstellung aus Lokalen verwiesen würden. Ja, aber.

Warum soll man Gäste mit völkisch-nationalem, rassistischem und antisemitischem Gedankengut um der Pluralität willen bewirten, während es gleichzeitig akzeptabel erscheint, Leuten aufgrund ökonomischer oder ästhetischer Motive den Zutritt zu verweigern? Bedroht es weniger die Demokratie, jemanden mit zerschlissenen Turnschuhen abzuweisen als einen mit zerschlitzter Wange?


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