Selbstversuch

Dann erinnert euch an genau diesen Moment

Doris Knecht will einen Knopf zum Drücken


Doris Knecht
Kolumnen | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Zum Muttertag gab' s überraschenderweise Gedichte, aus dem Handy vorgelesen im Tiroler Hotelzimmer. Wir waren angemessen gerührt, die Hartlieb und ich, die wir die Töchter mitgenommen hatten zu einem sehr netten Literaturfestival in Tirol, in einem sehr netten Wellnesshotel an einem sehr netten See.

Die Teenager schwebten im warmen Pool auf dem Wasser, in dem sich ein Simpsons-Himmel spiegelte, und ich sagte: Dieser Moment. Was? Prägt euch bitte genau diesen Moment ein, diesen Pool, dieses Wasser, dieses Wochenende. Wieso? Weil ihr diesen Moment bitte abruft's, wenn ich nächstes Mal ein Buch fertigschreibe und dabei das ganz dünne Nervenkostüm trage. Dann erinnert euch an diesen Moment. Okay, sagten die Teenager, danke, passt.

Am Sonntag dann Gedichte. Und nicht kochen und nicht Haushalt, das ganze Wochenende lang. Herrlich, herrlich.

Und den Kaffee immer gemacht und heiß und stark serviert bekommen. Was daheim mitunter zum Sehnsuchtsmoment wird, wenn man die Bialetti zum achten Mal auf den Herd gestellt hat, um dann das daraus tröpfelnde Gebräu mit Todesverachtung zu exen. Ja eh könnte man ins Espresso oder ins Eiles gehen und dort einen trinken, aber das Haus ohne vorherige Koffeinierung zu verlassen und sich aufs Rad zu schwingen, ist einfach zu riskant. Auf einen Knopf drücken können und ein trinkbarer Kaffee kommt raus: Das wäre super. Vielleicht sollte mal jemand so was erfinden. Ach. Ja.

Erzählen Sie mal auf Facebook, dass sie lieber eine Nespresso-Maschine hätten als eine Bialetti. Erzählen Sie es nicht Ihren Freunden, sondern meinen. Kommt erwartungsgemäß nicht soo gut an. Bzw: Sie lösen damit einen Kleinkrieg aus, der ihren Facebook-Freundeskreis zuverlässig spalten wird. Plus, es tauchen in diesem Thread Freunde auf, von denen du seit Jahren keinen Pieps gehört hast und sowieso nie ein Like bekommst, um dich bei dieser schönen Gelegenheit einmal zu fragen, ob du komplett deppert geworden bist. Eh, eh, eh. Ich bin ja eh zu hundert Prozent gegen alles: Nestlé, die Alu-Kapseln, den Mist, den sie machen, die gruseligen Spots, die ich George Clooney wahrscheinlich nie verzeihen kann. Ich will das eh alles nicht. Ich will nur den Knopf, auf den ich drücken kann und der mir dann einen der sechs bis acht Espressi in eine Tasse jagt, die mir mein niedriger Blutdruck täglich verordnet und ohne die ich nun mal nicht arbeiten kann.

Der Post führt dann allerdings eh zum vorgesehenen Effekt, dass man von den Kaffeespezialisten im Freundeskreis eine Gratisberatung bekommt, die unmittelbar zur Anschaffung einer gar nicht so unschicken italienischen Pad-Maschine führen wird, die zwar keinen Knopf hat, aber einen Hebel, und das schaffe ich gerade noch. Das System heißt, wie mir Freund Holzer erklärt, E.S.E.: Easy Serving Espresso. Haben sie offenbar für mich erfunden. Der Muttertag ist noch nicht vorbei.


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