Theater Kritiken

Großartiger Ibsen-Abend: Tragödienschnelldurchlauf


MP
LEXIKON : THEATER | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Sie zwängen sich aneinander vorbei, ständig steht einer dem anderen auf den Zehen. Außerdem sprechen sie schnell, völlig unaffektiert und leise. Was sonst auf Bühnen tabu ist, ist hier Konzept. Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik inszeniert erstmals in Wien. Sie packt Henrik Ibsens realistische Familientragödie "Die Wildente" ins enge Treppenhaus eines ärmlichen Wohnhauses. Hier zerstört binnen 80 Minuten der wohlmeinende Gregers (Raphael von Bargen) vor lauter Wahrheitsliebe die Familie seines Jugendfreundes Hjalmar (Roman Schmelzer). Durch das strenge räumliche Korsett überträgt sich die Verzweiflung der Figuren physisch aufs Publikum. Man möchte hinaufstürmen und von Opa Siegfried Walther über Mama Gerti Drassl bis zum jungen Supertalent Maresi Riegner alle befreien. Bester Josefstadt-Abend seit langem. Josefstadt, Fr-So, Mi, Do 19.30, So 15.00


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