Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die besten Wirkwaren der Welt der Woche


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Ich mach das nur für mich", sagen Leute, die auf ihr äußeres Erscheinungsbild achten, aber so tun, als gäben sie nichts auf das Urteil anderer. Aber weder ist das verwerflich, noch funktioniert das: "You cannot not communicate" - erst recht nicht in der Mode. Man braucht ein Kleidungsstück im Übrigen nicht einmal anzuziehen, um zu kommunizieren: "Jetzt zeig halt, pack schon aus!", gurren vestimentär interessierte Kolleginnen, wenn mir der DHL-Mann in der Redaktion wieder eins dieser soften Pakete aushändigt.

Die Polos, Pullis und Cardigans, die ich dann der Verpackung entbergen muss, kommen aus Lea Mills, Darbyshire, wo John Smedley seine Textilien seit über 200 Jahren herstellen lässt. Die Wirkwaren gibt's in Baumwolle oder Wolle, in klassisch oder in kühn.

Weil ich Wolle auf der Haut nicht tragen kann und in Navyblau schon alles habe, tendiere ich zu kühnem Cotton, denn abgesehen davon, dass Material und Verarbeitung erstklassig sind (bloß auf die Kragennähte sollten die Leute in Lea Mills ein bisschen besser achten) und die Teile ihre Form und ihr Aussehen über Jahrzehnte behalten, bestechen die Kollektionen durch tolle Farben, die auch tolle Namen haben. In der aktuellen Saison etwa wird mit Gehry Orange, Zaha Green oder Bauhaus Purple der modernen Architektur die Reverenz erwiesen.

Die Sachen sind freilich nicht ganz unteuer, man könnte auch sagen: Sie kosten eine Schweinekohle. Weswegen man besser ein bisschen Geduld aufbringt und den Ausverkauf abwartet. Bei dem Hinweis "low in stock" lässt der passionierte Fashionvictim freilich alle Vorsicht fahren und muss dann halt ein bissl was dazuverdienen, um mit dem Piece of the Season ein feuchtes Schimmern ins Auge modeaffiner Zeitgenossen zu zaubern.


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