Menschen

Es ist ihm nicht mehr Wurst


Lukas Matzinger
Falters Zoo | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Diese Rubrik heißt ja "Menschen der Woche", und dieser Titel wird hiermit hochamtlich für eine ganze Woche an die eine und einzige Conchita Wurst vergeben. Denn wer weiß, wie lange es sie noch gibt. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin News sagte der Mann unter der Wurst, Thomas Neuwirth, am Wochenende, ihm reiche das alles langsam, er habe sich eigentlich nie als Frau gefühlt, er liebe es bloß, sich zu verkleiden.

Dem Life-Ball-Chef Gery Keszler hat das noch niemand verraten. Der gibt zurzeit viele Pressekonferenzen und Interviews anlässlich der Wiedergeburt seines Spendentanzes am 10. Juni. In einem davon sagte er, er wolle das Life-Ball-Schiff nur noch einige Jahre führen, danach könnte Conchita Wurst übernehmen. Sie lehnte ab.

Vergangenen Samstag war der größte Liederwettbewerb der Welt in Kiew, beim Song Contest sind wir wieder wer, seitdem ihn uns die Wurst vor drei Jahren gewonnen hat. Heuer schickten wir den braven Tiroler Nathan Trent hin, der mit dem braven 16. Platz nach Hause kam. Es gewann der eine noch viel ruhigere Song des Abends, ein Jazzwalzer, geschrieben von der Portugiesin Luisa Sobral und gesungen von ihrem Bruder, dem traumverlorenen Salvador Sobral. Die beiden stammen von einer Adelsfamilie ab.

Tags davor wurden die Wiener Festwochen mit dem traditionellen Konzert auf dem Rathausplatz eröffnet. Es moderierte, Ehrensache, die allgegenwärtige Conchita Wurst, weiters sang sie ihre bekannten und andere Lieder mit den Symphonikern, mit Willi Resetarits und Georgij Makazaria von Russkaja. Sonst war's programmatisch: Der neue Intendant Tomas Zierhofer-Kin hält die Festwochen fern vom klassischen Opern-und Theaterprogramm und vertraut auf ein interdisziplinäres Diskursgeschwader. Bei der Eröffnung garnierte das Ensemble Mo-ZuluArt ein Haydn-Menuett mit einem Tanz aus Simbabwe, Harri Stojka zupfte Roma-Lieder auf seiner Gitarre, und Poetry-Slammerin Yasmo rappte gegen das Patriarchat an.

Das Sass, der Kellertanzclub am Karlsplatz, feierte Geburtstag. Es wurde vor zehn Jahren vom studierten Philosophen und jetzigen Filmemacher Alfred Zacharias gegründet, heute ist es der kleine, solide Techno- und Houseclub der Stadt, mit guter Anlage, prächtigen Kristalllustern, vernünftigem Afterhour-Angebot und erwachsenem Publikum. Glückwunsch!

Nicht unerwähnt bleiben sollte, was das Musik-,Literatur-, Kunst- und Weinfestival Gemischter Satz vergangene Woche auf die Konzerthausbühne gestellt hat. André Heller ließ sich von seinem Biografen und Festivalkurator Christan Seiler überreden, zum ersten Mal seit 38 Jahren Wienerlieder vor großem Publikum zu singen. Der große Schöpfer wurde mit ausgelassenem Jubel begrüßt. Nicht nur, weil die Weinverkostung davor im Preis inbegriffen war.


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