Dramatisches Statuenspiel: Michael Thalheimer inszeniert Aischylos' "Die Perser"


KRITIK: SARA SCHAUSBERGER
Feuilleton | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Während die Wiener Festwochen unter neuer Intendanz gerade das Sprechtheater zerschlagen, inszeniert Michael Thalheimer im Akademietheater Aischylos' Tragödie "Die Perser" als Sprechtheater in seiner reinsten Form.

Da stehen, fast wie Statuen, nur die Schauspieler zwischen monumentalen, grauen Betonwänden (Bühne: Olaf Altmann), und sprechen ihre langen Monologe ins Publikum hinein. Hier ist nichts postdramatisch, nichts überhöht: Thalheimer bringt das Stück, das als das älteste erhaltene Drama der Welt gilt, pur auf die Bühne. Er lässt den Text, der vom Untergang der persischen Flotte im Krieg gegen die Griechen erzählt, für sich arbeiten.

Der Abend ist schwer in mehrerer Hinsicht. Das Drama besteht hauptsächlich aus Monologen, und wie es bei den Griechen so ist, geht der eigentlichen Geschichte ein langer Vorbau voraus (vorgetragen von Falk Rockstroh als Chor), der erklärt werden muss und dem man nur mühevoll folgen kann. So statisch inszeniert wird das Stück auch etwas fad.

Vor allem ist der Abend aber thematisch hart. Macht und Größenwahn stehen im Mittelpunkt der Tragödie, in der sich der Perserkönig Xerxes (Merlin Sandmeyer) auf den Weg nach Athen macht, um seinen Vater zu rächen. Dass das schiefgehen wird, prophezeit schon die Betondecke, die als Zwischenspiel zu lautem Dröhnen bedrohlich hinunterschwingt und nur knapp die Köpfe der Schauspieler verfehlt. Nebel wirbelt dabei wie Staub über die Bühne.

Christiane von Poelnitz als Xerxes' Mutter Atossa ist gewaltig. Als hätte Thalheimer das Stück vor allem für sie inszeniert, schreitet sie zu Beginn ganz in Gold langsam an die Bühnenrampe und verlässt diese bis zum Schluss nicht mehr. Wie angewurzelt steht sie da und ist dem Geschehen ausgeliefert. Ihr Spiel ist nuancenreich und intensiv und verleiht Thalheimers Statuenspiel, das im Blutbad endet, doch noch so etwas wie Lebendigkeit.

Termine: Akademietheater, 25., 27., 28.5.


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