Am Apparat Telefonkolumne

Haben die Tullner nun Angst, Herr Bürgermeister?


ANRUF: NINA BRNADA
Politik | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Am 25. April wurde eine 15-Jährige in Tulln Opfer einer Vergewaltigung. Die Polizei hat an ihrer Kleidung die DNA-Spuren von zwei Männern identifiziert, beide lebten in einer Tullner Flüchtlingseinrichtung. Sie sind zum Tatvorwurf nicht geständig und sagen, der Sexualkontakt sei freiwillig passiert. Ein weiterer Mann soll laut Opfer ebenfalls am Übergriff beteiligt gewesen sein, zu diesem machen weder Polizei noch Staatsanwaltschaft Angaben. Tullns Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP) über die Stimmung in der Gemeinde.

Herr Eisenschenk, was hat sich in den vergangenen Tagen in Tulln verändert?

Ich bekomme Anrufe, aus denen klar hervorgeht, dass Eltern besorgt sind. Aber es sind relativ wenige. Wir bemühen uns, soweit es geht, pragmatisch zu bleiben.

Was bedeutet es, in so einem Fall pragmatisch zu bleiben?

Derzeit sind hier circa 150 Flüchtlinge untergebracht. Wir haben das Land Niederösterreich gebeten, fürs Erste keine weiteren Flüchtlinge nach Tulln zuzuweisen. Tulln braucht eine Pause und den Freiraum, um zu verstehen, was da genau passiert ist. Das wurde uns vom Land zugesagt. Wir sagen aber gleichzeitig auch, dass es keine pauschale Verurteilung von Flüchtlingen geben darf. Jene, die sich nichts zuschulden kommen lassen, werden weiterbetreut. Wie kommen die dazu, ihre Köpfe für die Kriminalität anderer hinzuhalten.

Ein möglicher Täter ist noch nicht gefasst, wie geht man damit um?

Ich halte es so wie die Polizei: Die Wahrscheinlichkeit, dass in Tulln eine erneute Vergewaltigung passiert, ist nicht höher als in anderen Städten, die Flüchtlinge betreuen. Ich bin selbst Vater einer Tochter und mache mir jedenfalls keine Sorgen.

Wie lange wird es dauern, bis Tulln wieder Flüchtlinge aufnimmt?

Das kann ich überhaupt noch nicht sagen. Wir müssen diesen Fall durchleuchten. Ich habe den Eindruck, dass das Land das versteht. Auch, weil wir in Tulln bereits sehr viel für die Flüchtlingshilfe getan haben.


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