Architektur Vernissage

Architektur als Spielplatz: ein Londoner Modell

NS | Lexikon | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Wenn ein Architekturkollektiv den berühmten britischen Turner Prize für zeitgenössische Kunst gewinnt, dann klingt das interessant. Assemble heißt die 2010 gegründete Londoner Gruppe aus Designern und (Bau-)Künstlern unter 40, denen Angelika Fitz nun ihr Ausstellungsdebüt als neue Leiterin des Architekturzentrums Wien (Az W) widmet.

Die Schau "Assemble. Wie wir bauen" nimmt ihren Ausgang bei dem Erstlingsprojekt der Cambridge-Absolventen, "The Cineroleum", einem temporären Kino in einer aufgelassenen Tankstelle. "Wie wir bauen, wie Dinge gemacht sind, wie Materialien zusammengesetzt werden, an diesen Verhältnissen zeigt sich der Zustand einer Gesellschaft", sind die 18 Mitglieder von Assemble überzeugt. Sie verstehen ihre oft im Selbstbau realisierten Projekte als modellhaft für eine veränderte Baukultur. Selbstermächtigung gegenüber der Industrie, Gemeinschaftlichkeit und nachhaltiges Planen stehen im Zentrum ihrer Praxis. Welche Architektur würden sich zum Beispiel Kinder ausdenken? Der in Kooperation mit Sechs-bis Zwölfjährigen umgesetzte Baltic Street Adventure Playground bei Glasgow kann von den jungen Abenteurerinnen und Abenteurern laufend verändert und weitergebaut werden. "Besser ein gebrochener Knochen als ein gebrochener Geist", so das Spielplatzmotto.

Assemble errichteten leistbare Ateliers sowie den Konzert-und Proberaum Oto, dann wieder gründeten sie Sozialunternehmen wie den Blackhorse Workshop, der Werkstätten mit Do-it-yourself-Kursen für Anrainer anbietet. In einem historischen Arbeiterviertel in Liverpool wurde eine Initiative gestartet, die im Recyclingverfahren Fliesen, Türknöpfe oder Lampen für desolate Reihenhäuser fertigte. Eine Erfolgsstory: Mittlerweile leiten die Bewohner den Granby Workshop als Unternehmen.

Az W, Mi 19.00 (bis 11.9.)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige