Tiere

Höhe.Punkt


Peter Iwaniewicz
Falters Zoo | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Das Leben als Tierkolumnist ist eins der schwersten. Doch! Denn zurzeit gibt es nur langweilige Nachrichten über zu fette Tempelaffen und die um diese Jahreszeit immer gleichen Meldungen über Zecken (… die beißen nicht, sondern stechen, gähn …). Es gibt auch keine Zuschriften von Pflanzenbesitzern im Blutrausch, weil die antagonistischen Grünpflanzenfresser wie der „Scheißbreitmaulrüssler“ noch Teenager sind und ihre systemzersetzende Tätigkeit nicht mit vollem Elan betreiben.

Natürlich gäbe es grundsätzlich Themen, die staatstragender Kommentare bedürfen, aber da halte ich es mit Rainer Langhans, der Symbolfigur der 68er-Bewegung, der die Bedeutung politischer Ereignisse relativierte: „Was geht mich Viet-
nam an? Ich habe Orgasmusschwierigkeiten.“ Damals gehörte Sexualität noch zum Programm der Revolution, aber man wusste eigentlich überhaupt noch nicht viel über die sexuellen Aktivitäten in einer Partnerschaft.

Moderne Sexualwissenschaftler lehnen mittlerweile jede Quantifizierung von sexuellen Handlungsweisen ab, da eine Normierung des Verhaltens im Bereich der Sexualität nicht sinnvoll ist. Bei Menschen wohlgemerkt. Deswegen entdeckt die Forschung zunehmend die Orgasmusfähigkeit der Tierwelt. Als die schwedische Fischereikommission Gründe für die zunehmende Unfruchtbarkeit von Bachforellen suchte, kam man zum Ergebnis, dass die Fischinnen sexuelle Erregung bei 67 von 117 Geschlechtsakten nur vorgetäuscht hatten. Die vergeblich ausgestoßenen Samen fanden dadurch keine passenden Eizellen und gingen so den Bach hinunter.

Aber auch beim Homo sapiens bleibt der biologische Nutzen des Orgasmus umstritten. Bei Männern scheint dieser wuchtige Sinnesreiz eine notwendige Belohnung zu sein: Warum sonst sollte man, statt zufrieden herumzuliegen, diese mühsamen Rivalenkämpfe und Balzrituale auf sich nehmen, wenn einen nichts dafür entschädigt. Der weibliche Orgasmus hingegen ist für den Anthropologen David Symons eher erworbenes Nebenprodukt, Frauen hätten diesen neuronalen Reiz einfach im Laufe der Evolution durch eine zunehmende Sensibilisierung ihrer Geschlechtsregion erlernt. Er meint dazu: „Die Fähigkeit der Frau zum Orgasmus ist ebenso wenig eine organische Anpassung wie die Fähigkeit zu lesen“. Daher: Bekämpft den Analphabetismus!


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