Phettbergs Predigtdienst

Es ist mühsam, ein Leben zu persolvieren


Hermes Phettberg
Kolumnen | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Heute um 17 Uhr bringt mich Sir Moritz zu "In memoriam: Ernst Hinterberger". Mag. Willibald Heimlich erfand die Idee der "wohnpartner-Literatur und Kunst im Reumannhof", und da war ich gestern zum zweiten Mal, nach Helmut Qualtinger nun gestern zu Ernst Hinterberger. Qualtinger und Hinterberger haben in Wien gelebt, und die, die weiterzuleben trotzen, wohnen ja weiterhin in Wien. Es ist mühsam, ein Leben zu persolvieren, Ernst Hinterberger zum Beispiel vollbrachte sein Leben in Margareten und im Café Industrie darinnen. Gestern vor fünf Jahren und vier Tagen starb Ernst Hinterberger. Karla Hinterberger ist eine fürsorgliche Witwe, und viele, viele buddhistische Koan-Quader lassen sie ihr Alleinsein bewältigen: "Der Fluss fließt fort, das Wasser bleibt." Ich, Würmigkeit, durfte einmal Ernst Hinterberger zufällig treffen, er erkannte mich eher als ich ihn.

Es war gestern wieder so schöne Sonne, und als Masochist musste ich natürlich noch einmal in Ryan Mitchells Wahnsinnsoper gehen. Als ich zum zweiten Mal zu "Promised Ends: The Slow Arrow of Sorrow and Madness" in der Halle G des Museumsquartiers eintraf, sah ich gerade den mit Blutegeln übersäten Ryan Schnaps trinken, damit die Egel feinstes Blut erhalten können. Und er schenkte mir sein Collage-Heft "Saint Genet - MMXI -", wo einige Leidende, wie zum Beispiel Jesus Christus, abgebildet werden. Ich erwischte ihn gerade, wie er Schnaps trank und seine Texte lernte. Der Vorraum zum Eingang in die Halle G wurde zum Misthaufen, wo alles, was nicht mehr benötigt wurde, auf einen Haufen geschmissen wurde - allein das ein wunderbares Kunstwerk! Ich habe eigentlich erst bei der heutigen, zweiten Aufführung entdeckt, dass "King Lear" ganz am Beginn eine Art Stufen-Treppe allein bevölkert, nur weiß ich nicht, war dieser König ein Mann oder eine Frau? Es war in der gestrigen Aufführung viel mehr Dusternis und viel weniger, und vor allem seltener eingeschaltete Neonlichter.

Ich habe mich quasi mitten in der Aufführung total hasari gemacht (heiser), bin also plötzlich voll verkühlt und kann diesmal nicht zu Dr. Aschauer fahren und wieder nicht Schamanisch Reisen. Ich bin total erschöpft, will nur mehr schlafen.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige