Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Stille der Welt der Woche


STEFANIE PANZENBÖCK
Feuilleton | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Die Stille wird eingeleitet mit einem falschen Sonntag. Es ist Donnerstagvormittag. Der Ö1-Dreiklang kündigt die Neun-Uhr-Nachrichten an, es folgt der Gong. Ruhig und mit sonorer Stimme berichtet die Sprecherin, in diesen innenpolitisch ohnehin schon chaotischen Zeiten, vom nächsten potenziellen Aufreger. Dem Vernehmen nach würde Grünen-Chefin Eva Glawischnig um zehn Uhr zurücktreten.

Danach geht es um den Terroristen Amri, um Israel und Griechenland, dann übernimmt die Meteorologie. "Und jetzt zum Wetter." - "Der heutige Sonntag bringt einiges an Sonne in Österreich, es wird sehr warm, die Temperaturen erreichen 21 bis 29 Grad. Es ist aber nicht überall ungetrübt " Man stutzt, schmunzelt, der Wettermann spricht ungerührt weiter. Ein sonniger Sonntag am Donnerstag. Was will man mehr? Dass es da "nicht überall ungetrübt" ist, kann man mit einer solchen Nachricht getrost unter den Tisch fallen lassen. "So viel zum Wetter mit Rainer Schultheis."

Nun soll kommen, was mag. Weitere Rücktritte, Neuwahlankündigungen und, wie viermal pro Woche, ein Radiokolleg um 9.05 Uhr, gleich nach den Nachrichten. Doch es kommt - nichts. Es ist still. Vollkommen und gänzlich still. Man hält inne, die Kaffeetasse in der Hand, lauscht und zählt leise: "1 -2 -3 -4 -5." Dann durchbricht die Radiokolleg-Signation das schwarze, wohlige Loch, das diese unerwartete Stille in die Zeit gerissen hat.

Während Beiträge über Resilienz und Maria Theresia angekündigt werden, sinkt man entspannt zurück, blickt auf die belebten Wiener Straßen. Die zur Arbeit Hetzenden verwandeln sich in schlendernde Urlaubende, das Getöse der vorbeirauschenden Autos löst sich auf im Nachklang der Stille. Was für ein schöner Sonntag.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige