Menschen

Vollgasmonat Mai

ANNA GOLDENBERG, NATHALIE GROSSSCHÄDL, LUKAS MATZINGER | Falters Zoo | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Es gibt keinen anderen Monat im Kalender, in dem es so viele Veranstaltungen in Wien gibt wie im Mai. Dass gerade Festwochen sind, muss an dieser Stelle nicht gesondert Erwähnung finden, dass vergangene Woche das ziemlich leiwande Wissensdurst-Festival war, bei dem Forscher ihre Arbeit in möglichst massentauglichen Formaten in Bars und Gasthäusern präsentieren, schon eher. Im Übrigen konnte man sich am Sonntag in der Stadthalle davon überzeugen, dass es die Rockband Kiss wirklich noch immer gibt und dass es noch immer nicht peinlich ist, diesen geschminkten Hardrockzirkus cool zu finden, obwohl es wahrscheinlich in ganz Detroit wenige Leute gibt, die die Hadern schlechter singen würden als Paul Stanley. Kiss ist Entertainment, nicht mehr, aber sicher nicht weniger.

Es gab noch mehr großen Besuch, den Wien vergangene Woche in Empfang nahm. Am Donnerstag sprach die weltberühmte Schimpansen-und damit Verhaltensforscherin Jane Goodall in der ehemaligen Anker-Expedithalle im zehnten Bezirk, zuerst vor Schulkindern, dann vor mehr als tausend zahlenden Gästen. Die Frau ist 83, und es ist noch immer beeindruckend, wie sie über die großen Probleme der Menschen und ihres Planeten spricht und nicht aufhört, sich an Lösungen zu versuchen.

Bei der Israelitischen Kultusgemeinde hat man wahrscheinlich Ovid gelesen: "Warten gibt Stärke", schrieb der römische Dichter. Beim jährlichen Straßenfest am Sonntag im Arkadenhof des Wiener Rathauses mussten sich die Besucher zuerst einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Wer sich schließlich an Plakatwänden, die das jüdische Leben von Kinderschminken bis zum Maimonides-Zentrum repräsentierten, bis zum Essensstand entlangschlängelte, wurde mit hochpreisiger Pita mit Falafel oder Shwarma belohnt. Das große Warten erleichterten hebräische, englische und russische Klänge von der Bühne (etwa Timna Brauer & Elias Meiri). Mit dem Appetit stillte man die Neugier auf der Suche nach bekannten Gesichtern. Händeschüttelnd konnten IKG-Präsident Oskar Deutsch, die israelische Botschafterin Talya Lador-Fresher und Gesundheits-und Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner festgestellt werden.

"Willst du meine Frau werden?", fragte Maurice Ernst auch am dritten Tag sein Publikum in der ausverkauften Arena. Und es waren nicht nur die Frauen, die aus vollem Halse "Ja!" plärrten. Am Freitag gingen die Bilderbuch-Festtage in der Arena zu Ende. Die Stimmung war dreimal hintereinander klasse, junge und alte Fans stimmten überein: Es war eines dieser Konzerte, bei denen man sich das Bierholen und das Klogehen zweimal überlegt, um nur nichts zu verpassen. Entertainer Ernst bezeichnete die Besucher des dritten Tages als "die Spontanen". Sie seien "die Menschen der Zukunft". Es soll welche gegeben haben, die täglich dort waren.


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