Pressekolumne

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BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Interviews mit Berufspolitikern sind Interviews mit trainierten Öffentlichkeitsarbeitern. Wird ihnen eine unangenehme Frage gestellt, basteln sie im Nu Sätze, die nichts bedeuten, aber alles beantworten. Der neue Vizekanzler Wolfgang Brandstetter geht einen neuen Weg. In der Presse am Sonntag versuchte er erst gar nicht, den Fragen auszuweichen. Er delegierte sie ganz einfach.

Frage an Brandstetter: Hat Kanzler Kern versagt? Antwort: "Da müssen Sie diejenigen fragen, die diese Frage beurteilen wollen." Nächste Frage: War der Innenminister nur ein Werkzeug, um Sebastian Kurz an die Macht zu bringen? Antwort: "Da müssen Sie ihn fragen." Frage: Wäre es nicht verantwortungsvoller, wenn ÖVP-Chef Kurz Vizekanzler wäre? Brandstetter: "Das können Sie beurteilen, wie Sie wollen. Ich bin da nicht der richtige Gesprächspartner." Aber was passiert, wenn er die Frage niemandem delegieren kann? Man höre und staune. Frage: "Wenn man Sie fragt, ob Sie auf der Liste der Neuen ÖVP kandidieren wollten ,was würden Sie sagen?" Brandstetters Antwort: "Diese Frage wurde bisher nicht gestellt."


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