Buch der Stunde

Das Lächeln - flüchtiges Symbol des Selbst

ULRICH RÜDENAUER | Feuilleton | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Ludwig XIV. erging es in einer Hinsicht wenig besser als seinen Untertanen: Seine Zähne waren in beklagenswertem Zustand, wozu nicht zuletzt der maßlose Konsum von Konfitüren beigetragen hatte.

Auf Zahnpflege wurde nicht der geringste Wert gelegt, und Ärzte interessierten sich für vieles, nur nicht für Zähne. Bei Zahnschmerzen gab es nur ein Mittel: Der Übeltäter wurde gezogen. All das beschreibt der britische Historiker Colin Jones eindrucksvoll in "Die Revolution des Lächelns". Was die Geschichte des Lächelns mit jener der Zahnmedizin zu tun hat? Sehr viel. Denn am Königshof und auch sonst in den besseren Kreisen wurde nicht gelächelt -und wenn, dann nur mit geschlossenem Mund. Das hatte die besagten Gründe, entsprach aber auch den Konventionen des Ancien Régime. Übertriebene Gefühlsregungen waren verpönt.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden diese Regeln jedoch nach und nach aufgeweicht -jenseits des Hofs. Die brutalen Zahnzieher bekamen damals Konkurrenz von seriöseren

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