Film Neu im Kino

Schwülstige Litanei: "Song to Song"


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 21/17 vom 24.05.2017

Zu Beginn saugt man die Bekenntnisse der Figuren, die sich über die Bilder legen, noch gespannt auf. "Nichts fühlte sich echt an", haucht Hauptfigur Faye, eine junge Frau, die in der Musikszene Austins Fuß zu fassen versucht. "Ich wollte Erfahrungen, ich wollte leben, mein Lied singen." Aus diesem Grund lässt sie sich mit dem Musikproduzenten Cook ein, auf dessen Konzertbühnen sich die Stars versammeln und dessen exzentrisches Leben sie anzieht. Gleichzeitig beginnt sie eine Beziehung mit dem Musiker BV, der plant, ein Album mit Cook aufzunehmen, und nichts von der Dreiecksgeschichte ahnt.

Die Konsequenz, mit der Terrence Malick den Stoff eines Dramas um Liebe und Leere, materielle Verführung und Selbstfindung in "Song to Song" zu einer schwülstigen Litanei verspinnt, könnte man spektakulär nennen -wenn sie nicht so ermüdend wäre. Mit den anfänglichen Kommentaren ist es nicht getan: Unendlich ergießt sich ein Strom von Lebensbeichten im Voice-over (nur selten sprechen Personen miteinander im Bild), der Tiefe behauptet, wo keine Tiefe ist. Statt Leben zu führen, die diese Gedanken begleiten könnten, wandeln die Figuren -zu den genannten gesellen sich Cooks Ehefrau Rhonda sowie andere Beziehungspartnerinnen von BV und Faye -durch träumerische Bilder in Musikvideoästhetik, die das Publikum völlig kalt lassen.

Das feingliedrige Spiel von Rooney Mara als Faye ist eine Weile schön anzusehen, wirkt auf die Dauer jedoch ebenso verschenkt wie die Teilnahme von halb Hollywood: Michael Fassbender, Ryan Gosling, Natalie Portman, Cate Blanchett, Holly Hunter, Val Kilmer (sowie aus der Musikszene Patti Smith, Lykke Li, Iggy Pop u.v.a.) können in ihrer Begeisterung für Malick nicht irren, sollte man meinen? Leider doch.

Ab Fr im Kino (OF im Burg und Haydn, OmU im DeFrance)


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