Fremd bleiben im Fremdenzimmer

Elisabeth Steiners Flüchtlingspension "Bärenwirt" sollte das Gegenstück zu Jörg Haiders "Saualm" werden. Doch es kam anders

Protokoll: Elisabeth Steiner | Landleben | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017


Foto: Gerhard Maurer

Der junge Afghane betrat unser Haus mit einem Anflug von Trotz und Stolz. Auf dem fast kahlrasierten Schädel ein blondierter Schopf, lässig zur Seite gekämmt. Keine unangenehme Erscheinung, wenn da nicht etwas Hartes in seinen Augen aufgeblitzt wäre. Er kam aus einem Quartier für unbegleitete Minderjährige. So sah er für mich zwar nicht aus, doch die Minderjährigkeit war ihm amtlich bestätigt. Warum kam er gerade zu uns? In das Integrationsprojekt Gasthof Bärenwirt in Weitensfeld im Kärntner Gurktal? Seit der Schließung der Balkanroute und dem Dichtmachen der Grenzen war ich froh über jede „Zuteilung“ durch das Kärntner Flüchtlingsreferat. Denn jetzt kommen erheblich weniger Flüchtlinge nach Österreich und in den privaten Asylquartieren mehren sich die leeren Betten und damit die wirtschaftlichen Überlebensprobleme.

Warum der Afghane zu uns „verlegt“ worden war, erfuhr ich aus der Zeitung. In seinem bisherigen Quartier hatte es unter den Jugendlichen schwere Randale gegeben – mit Verletzten und erheblichen Sachschäden. Er war einer der Rädelsführer gewesen. Ich dachte mir, er ist noch jung, er verdient eine zweite Chance. Zudem sprach er ausgezeichnet Deutsch. Am nächsten Morgen war er verschwunden. Da er minderjährig war, musste ich Abgängigkeitsanzeige erstatten.

Nach einigen Tagen war er wieder da – einfach so. Und mit ihm zwei afghanische Freunde. Sie wollten bei uns übernachten. Einfach so. Das ist quartierfremden Personen allerdings verboten. Ich forderte sie auf zu gehen. „Wir haben kein Geld“, gaben sie zurück: „Wir müssen auf die Straße und zu Fuß zum Bahnhof?“ Ein paar Telefonate später war klar: Zumindest einer der beiden war auch minderjährig und in die Randale verwickelt gewesen, der andere aus eben solchen Gründen aus demselben Quartier weggewiesen worden. Anruf im Quartier für Minderjährige: Keiner hat Zeit, den Ausreißer zurückzuholen. Dann Anruf bei der Ortspolizei.

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