Vertrauen als Vision vs. Fake News

Das große Kurzfilmfestival Vienna Shorts setzt auf breite Perspektive und formale Vielfalt

VORSCHAU: EVA KLEINSCHWÄRZER | Lexikon | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017


Foto: The Rabbit Hunt – Patrick Bresnan

Die vergangenen Monate haben es wieder einmal gezeigt: Das Kurze ist eine Ausdrucksform, die in vielen Erscheinungen auftritt und große Wellen schlagen kann. Auf 140 Zeichen begrenzte Nachrichten bestimmen das Weltgeschehen mit. Kurzen Aufmerksamkeitsspannen wird das Spektakuläre entgegengehalten. Impuls und Gefühl äußern sich gegenüber vermeintlichen Wahrheiten in strittiger Weise. Und immer häufiger wird dabei auch die Vertrauensfrage gestellt.

Der Kurzfilm vermag Formen dieser Entwicklung aufzugreifen und zu kommentieren. Verdichtetes Erzählen, das Kurze als eine Eigenschaft, die alle Filme beim Festival Vienna Short verbindet, ermöglicht ganz eigene Annäherungen und Kommentare zu einer Form, die eine immer größere Rolle in unserem Alltag einnimmt. Das diesjährige Themenfeld „Trust Me“ widmet sich den vielfältigen Bildern von Vertrauen und wirkt wie eine nachträgliche Bekräftigung des letztjährigen Schwerpunkts „Fear Is Not an Option“.
Nein, in der Tat, das ist sie immer noch nicht!

Trust Me stellt eine Forderung dar, die derzeit viele Institutionen und Personen stellen. Und ein Gefühl, das uns schon immer zu eigen ist und ohne das wir keine Normalität in unserem Leben aufbauen könnten.

Worauf vertraut man etwa, wenn man ins Kino geht? Wir können darauf vertrauen, dass wir Dinosaurier sehen und nicht gefressen werden. Es erfordert aber grundsätzlich auch Vertrauen, sich mit fremden Menschen in einen dunklen Raum zu begeben und sich gemeinsam auf einen Film einzulassen.

Zum Einstieg ins Thema zeigen die Vienna Shorts zwei Festivaltrailer von Ross Hoggs und Duncan Cowles, die fröhlich auf Konfrontation gehen, denn beide Trailer scheitern in der Vertrauensfrage gleich grandios und äußerst heiter. Enttäuschung ist eine Möglichkeit, die dem Vertrauen immer innewohnt und dennoch sehr Tröstliches oder sogar Komisches in sich bergen kann.

Sechs Tage lang präsentiert Vienna Shorts Programme, die sich dem Vertrauen annähern, es hinterfragen, es fordern, die Nähe erzeugen oder auf Distanz gehen. Im Fokus stehen Fragen des Vertrauens zu Informationen und Institutionen, aber auch Vertrauen auf Mikroebenen, zwischen Generationen oder zwei Menschen.

„Fake News. Sad.“ spürt Realitätsverschiebungen scheinbar neutraler Informationen nach und bewegt sich entlang der Grenzen von Fakt und Fiktion. „Generations. At the Crossroads“ beschäftigt sich mit den Widersprüchlichkeiten von Erfahrung und Veränderung und sucht nach Verbindungen zwischen altersbedingt oft ganz unterschiedlich erlebten Realitäten.

„(Anti)Authority: (Dis)illusion & (Dis)Obedience“ zersetzt Konstrukte gesellschaftlicher Machtverhältnisse und stellt strukturelle Autoritäten infrage. „Face to Face“ sucht Vertrauen im kleinsten gemeinsamen Nenner: im Gegenüber. Dass selbst diese Basis für Austausch vor Schwierigkeiten steht und keineswegs selbstverständlich ist, wird hier deutlich. „Searching for Trust“ wiederum tritt einen Schritt zurück und begibt sich in die Rolle des Beobachters – wo fängt Vertrauen an, und wohin bringt uns der nächste Schritt?

Im internationalen Wettbewerb Fiction & Documentary werden 26 Filme aus 26 Ländern gezeigt; er bietet sowohl prämierten Filmen als auch Uraufführungen einen Platz auf der Leinwand. Animation Avantgarde setzt den Fokus vor allem auf formale Pluralität und experimentelle Zugänge, die sich in drei Programmen sowohl in neuartigen Techniken als auch in subjektiven Perspektiven zwischen Mikro und Makro äußern.

Produktionen aus Österreich werden in diesem Jahr in gleich vier Programmen gezeigt; mit den Screensessions wird nationalen und internationalen Musikvideos ein eigener Schwerpunkt gewidmet.

Neben den Wettbewerben stehen am Festivalwochenende die allseits beliebten Midnight Movies auf dem Programm – „Très Chic“ eröffnet abstruse Humorwelten, „PopPorn“ zeigt erotische Annäherungen an das Medium Film, und „Nightmares“ widmet sich in diesem Jahr auf 16 mm der Essenz klassischer Horrorfilme.

Auch eine Kooperation mit der Akademie des österreichischen Films erweitert heuer das Festivalprogramm. An drei Tagen werden 33 bereits ausgezeichnete Kurzfilme in einem fünfstündigen Marathon gezeigt. Dieses Programm läuft europaweit in verschiedenen Kinos und ist bei freiem Eintritt und freiem Kommen und Gehen zugänglich. Trauen Sie Ihren eigenen Augen!

Vienna Shorts: Fr bis Di im Filmcasino, Metro, Filmmuseum (Eröffnung: Gartenbau 1.6., 19.30)

www.viennashorts.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige