Tiere

Flatterhaftes

Peter Iwaniewicz findet gut, dass es in Wien 135 Tagfalterarten gibt

Falters Zoo | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Fünfundzwanzigster Mai 1993. In Wien fliegen überall sehr markant gezeichnete Falter mit weißen Flecken auf schwarzen Flügeln herum. Enttäuscht, weil ich nach zehn Wochen noch immer keine Antwort auf meinen Probetext für eine Tierkolumne bekommen habe, hebe ich einen der auf der Straße liegenden toten Schmetterlinge auf und lege ihn einem rotzfrechen Brief an den Chefredakteur einer Wochenzeitung bei: „Was ist das nur für ein Falter, fragen Sie sich sicherlich. Aber leider gibt es bei Ihnen keine Kolumne, die diese wesentlichen Fragen des Lebens erörtet. Ihre a) Leser, b) Partnerinnen, c) Kinder, d) Kollegen werden daher auch nicht erfahren, dass es sich bei dem fraglichen Subjekt um das Weißfleck-Widderchen – eine von ca. 3000 mitteleuropäischen Schmetterlingsarten – handelt.“

30. Mai 1997.

Anlässlich der 20-Jahr-Jubeltage widme ich mich im Speziellen der Falterkunde und versuche den zoologischen Namenspaten dieser mittlerweile von einem Raupendasein zum stattlichen Falter metamorphisierten Zeitschrift zu finden. Ich gehe von der kühnen These aus, dass das Gründerkollektiv sich durch gemeinsame Liebe zur Schmetterlingsfauna zusammengefunden hatte und sich bei der Namensfindung für ihr Printprodukt darüber stritt, ob es „Totenkopffalter“ (Hardrock-Fraktion) oder besser „Wiener Nachtpfauenauge“ (Kulturdandys) benannt werden sollte. Ich bleibe jedoch bei der Artbestimmung erfolglos.

20. April 2017.

Ein Reprint der ersten Nummer zeigt auf dem Cover völlig verschwommen (wie damals alle Fotos) einen mir völlig unbekannten Schmetterling. Ich halte die seit 40 Jahren andauernde, bohrende Ungewissheit, welche Falterspezies bei der Urzeugung die Gründer inspiriert hatte, nicht länger aus und muss – als Insektenauskenner gescheitert – einen Canossagang zu einem Zeitzeugen antreten. Mail an AT: „Hast du noch Infos oder Erinnerungen, wer das Foto von diesem Schmetterling gemacht hat?“

Die freundliche Antwort: „Das waren ein paar Künstler (Franz Vana, Jörg Schwarzenberger, Michael Mayerl, Tassilo Blittersdorff), die einen Zeitungspapierfalter aus einer von innen beleuchteten Konservendose aufsteigen ließen. Es war sehr lustig und dilettantisch, weil sie vom Foto dann enttäuscht waren.“

Endlich kann ich wieder ruhig schlafen!


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