Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Ausflug der Welt der Woche


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Angesichts der Wettervorhersage begeben sich vier Personen auf die Suche nach dem perfekten Sonntagsausflug. Es soll heiß werden, man wird nicht arg viel gehen und umso mehr trinken wollen, Wasser klingt ganz generell nach einer guten Idee. Mit dem Einfach-raus-Ticket der ÖBB sind wir mit 41 Euro dabei, in einer guten Stunde in Krems, zehn Minuten später im Gasthaus Jell und haben uns nach diesen Strapazen die Jause in Form des Gedecks redlich verdient. Danach nehmen wir noch zweimal das Schweinsbratl, einmal Leber und einmal Nierndln. Zitronensorbet mit Wodka? Warum nicht.

Um 15.45 Uhr legt das Schiff Richtung Melk ab, es bleiben für die zwei Kilometer zur Anlegestelle jetzt gute eineinhalb Stunden, sollte sich - inklusive der einen oder anderen Rast - ausgehen.

Donauschifffahrten in der Wachau bringen zwei Risiken mit sich: "Mariandl" vom Band und gutgelaunte Mitreisende. Beides ist an diesem Sonntag recht verträglich dosiert, das sanfte Schaukeln und Dröhnen des Schiffes sowie die bordüblichen Begleitgetränke halten die Gehirnwellen schön flach und versetzen einen schnell in jene intrauterine Entspanntheit, mit der man in den nächsten drei Stunden die Landschaft unter wachaublauem Firmament supergut an sich vorbeiziehen lassen kann: Wasser, Wind, Weinberg, Wald, mehr Weinberg, mehr Wald, mehr Wasser, Wölkchen, Wahnsinn!

Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass es in Melk noch einmal zehn Minuten zum Bahnhof sind. Bergauf! Man hat dafür jetzt eine Dreiviertelstunde, kann also unterwegs vielleicht noch schnell wo einkehren und sich was für die Fahrt mitgeben lassen. Ein Regionalzug ist kein ICE, das dauert. Aber wir haben Zeit, und wir haben genug Getränk dabei.


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