Nach dem Götz-Zitat

Götz Schrage, 56, ist Underground-Autor, Fotograf, Flüchtlingshelfer - und seit kurzem in den Augen vieler ein Sexist. Das Porträt eines beliebten Enfant Terrible, das in einen Shitstorm geriet

Porträt: Saskia Schwaiger | Stadtleben | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017


Foto: Götz Schrage

Darf einer, dessen Schreibe auch unter Alltagspoesie, Netzliteratur oder Satire gehandelt wird, in sexuellen Assoziationen schweifen, wenn er gleichzeitig eine politische Funktion innehat? Darf einer, der eine missglückte Formulierung, die – wohl zu Recht – als sexistisch beurteilt wurde, darf so einer, trotz Entschuldigung, weiterhin ein politisches Mandat ausüben? Und wird die Kategorie „Altherrenwitze“ diesem Mann gerecht? Und: Wer ist dieser Götz Schrage überhaupt?

Zitat des Anstoßes war dieses, geäußert von Schrage via Facebook: „Elisabeth Köstinger als neues Gesicht und neue Generalsekretärin einer neuen Bewegung? Aus autobiografischen und stadthistorischen Motiven möchte ich da schon anmerken, dass die jungen Damen der ÖVP Innere Stadt aus den frühen 80er Jahren, die mit mir schliefen, weil sie mich für einen talentierten Revolutionär hielten, genauso aussahen, genauso gekleidet waren und sprachen. Da hängt sicher noch ein Burberry-Schal im Vorzimmer bei Elisabeth Köstinger. Ich muss das wissen als Experte.“

Elisabeth Köstinger ist die neue Generalsekretärin der ÖVP. Schrages Auslassung machte als „Sexismus-Posting“ am vergangenen Wochenende viral Karriere. Mit einem Schlag bekannt sind dadurch beide geworden. Köstinger nahm Schrages Entschuldigung relativ gelassen an. Montagabend wurde Götz Schrage von der SPÖ fast ausgeschlossen. Am Ende einigte man sich nach langer Diskussion auf eine Verwarnung – und gab ihm eine zweite Chance.

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