Punkterl Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Letzte Woche war SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zu Gast in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger. Der Politiker beschrieb seine Alkolholsucht und wie es ihm gelang, trocken zu werden. Als Teenager spielte Schulz Fußball und träumte von einer Profikarriere, die ihm allerdings nicht gelang. Auch in der Schule lief es nicht so rund. Diese Niederlagen hätten ihn in den Suff getrieben, erst mit einigen Promille habe er sich als ganzer Kerl gefühlt, gestand Schulz.

Bekehrte Sünder haben auch in der Politik einen Empathiebonus. Nichts lieber als ein ehemaliger Straßenkämpfer, der sich in einen gesetzestreuen Außenminister verwandelt wie Joschka Fischer. Auch Christian Kern war ein kapitalistischer Ausbeuter, ehe er zur Arbeiterklasse konvertierte.

Was den Mitleidsreflex bei Schulz etwas bremst, ist die Tatsache, dass er erst 25 Jahre alt war, als er mit dem Saufen aufhörte. Einige Jahre lang wachte Schulz mit Filmriss und schwerem Schädel auf. Er nennt es Alkoholismus, andere verwenden dafür das Wort Jugend.


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