Kunst Kritik

Lampen über Matratzen, Gelächter und Staub

NS | Lexikon | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Im Doppel bespielen Lazar Lyutakov und Max Schaffer derzeit den von der Angewandten geförderten Ausstellungsraum wellwellwell am Mittersteig. Für seine Rauminstallation verwendet Schaffer alte, originalverpackte Matratzenmuster, die er am Boden auflegt. Diese Schaumstoffblöcke in Plastiktaschen fungieren als Träger für Polaroids, die Gemälde zeigen. Die Kombination wirkt morbid und melancholisch, als hätte man ein Bett zerschnitten und eine Kunstsammlung vor dem Verschwinden noch halbherzig, weil unscharf dokumentiert. Die um den Holocaust kreisenden Installationen von Christian Boltanski kommen einen in den Sinn, aber Schaffers Arbeit fehlt das Pathos des Franzosen; seine Matratzenserie kündet von einem Verlust, bleibt aber hermetisch.

Das Verhältnis von Fragment und Ganzem wird im Obergeschoß mit Fotodrucken auf Leinwand evoziert, für die Schaffer eigene Skizzen zerschnitten hat und reproduzieren ließ. Sein Kollege Lyutakov steuert Lampenobjekte bei, die an modernistisches Design denken lassen, aber in Wahrheit aus Plastikschalen bestehen. Die "Lamp Series" zieht sich durch alle drei Räume des Offspace. Es seien "Skulpturen, die sich als Lampen tarnen", meint der 1977 in Bulgarien geborene Künstler, der glockenblumenartige Lampenschirme von den Neonröhren an der Decke baumeln lässt oder eine Lavalampe in eine Struktur aus Plastikstäben einspannt.

Beide Künstler haben es mit Readymades, lassen den funktionalen Alltagsgebrauch ihrer Objekte durchscheinen, verfremden sie aber gleichzeitig. Dass der Humor dabei nicht weit ist, beweist Lyutakovs Kleinplastik "The Critic's Laugh" neben dem Eingang. Bei diesem "Lachstück" durchbohrt ein goldener Nagel in Blumenform ein braunes Plastikstück, das einer Zunge gleicht.

wellwellwell, bis 9.6.


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