ANGEKLAGT: DAS OPFER

Eine Frau wird bei einer Amtshandlung schwer verletzt. Alle Polizisten kommen frei, das Opfer wird wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt - auf Weisung des Justizministers. Vergangene Woche kam es zum Prozess und einer Überraschung


Prozessbericht: Florian Klenk
Politik | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Claudia W. zittert, sie hat Angst vor den TV-Kameras, vor dieser ganzen unangenehmen Situation hier. Sie war noch nie als Angeklagte vor Gericht, sie ist eine unbescholtene Frau, Unternehmerin, 49 Jahre alt. Sie weiß nicht, wie das hier ausgehen wird.

Die Verhandlung beginnt und Claudia W. zittert so stark, dass die Richterin es aus etwa vier Metern Distanz bemerkt: "Ich sehe, dass sie sehr nervös sind." Sie weiß, dass diese Frau schwer traumatisiert wurde. Es steht in den Akten. Es soll hier nicht mehr wehtun. Nicht noch einmal. "Atmen sie jetzt einmal durch."

Die Richterin ist eine ausnehmend höfliche Person. Zu Beginn der Verhandlung sagt sie zum Beispiel: "Grüß Gott, mein Name ist Elisabeth Reich, ich bin die für Sie zuständige Richterin." Solche freundlichen Worte hört man hier am Landesgericht für Strafsachen selten von Richtern. Es ist noch keine 20 Jahre her, dass Angeklagte an diesem gefürchteten Gericht angebrüllt wurden. Und wehe dem, der sich mit der Polizei anlegte.

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