Selbstversuch

Und da war doch dieser süße, kleine Hund

Doris Knecht ist auf dem Heimweg


Doris Knecht
Kolumnen | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Venedig, ff. Die Teenager kommen dann auch, mit dem Nachtzug, bisschen fertig, aber euphorisch. Wir fahren mit dem Vaporetto, dann gehen wir durch die Gassen von San Polo. Die Teenager waren zuletzt vor elf Jahren hier, wir waren gemeinsam mit den Horwaths, damals waren sie vier. Trotzdem: Diesen Platz - den kenne ich! (Tatsächlich, wir haben damals in der Nähe gewohnt.) Da war ein kleiner Junge, der hatte so ein elektrisches Spielzeugmotorrad, weißt du nicht mehr?

Nein, ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr, aber die andere Teenagerin, die erinnert sich. Und da, auf dem Campo Santa Margherita, da war dieser süße kleine Hund, mit dem wir ganz lange gespielt haben, total süß war der, daran musst du dich doch erinnern? Nein, sorry, Kind, daran erinnere ich mich nicht, weil ich damals nicht vier war, nur ihr. Aber das ist sehr nett: dass die Teenager Venedig, das sie nur aus einem Meter Höhe und mit den Augen von Vierjährigen gesehen haben, dennoch wiedererkennen.

Von damals, als wir nur an Plätzen herumsaßen, von denen man in keinen Kanal fallen und auf denen man Ball spielen konnte. Ja! Der Ball war blau! Jetzt weiß ich es wieder! Genau, da drüben, in dem Laden haben wir ihn gekauft, schau, die haben immer noch Bälle, wollt ihr einen? Haha. An so was erinnern sich die Kinder, während die Mutter sich an gutes Essen erinnert - da drüben, in der Trattoria, waren wir da nicht - und an erbitterte Streitereien zwischen den Erwachsenen, über lauter Zeug, das damals wohl eine Rolle spielte und jetzt schon lange nicht mehr.

Jetzt sahen die Kids Venedig von höher oben, und sie fanden es fantastisch. Eh. Wer nicht. Die Stadt, die Kanäle, die Kunst. Egal, wie oft man es sieht, es ist jedes Mal wieder unfassbar. Und nicht einmal wir Touristen können das ruinieren, es ist bigger als wir, stärker, älter, zäher, herrlicher.

Natürlich fand ich es auch wieder fantastisch, auch wenn es nach ein paar Tagen anstrengend wird, immer die blöde Touristin zu sein, obwohl: In der Osteria dai Zemei legten sie mir am letzten Tag zwei Kekse zum Caffè doppio. Angekommen!

Nicht überall, aber hier. Und schon wieder weg, nach noch ein paar von diesen Cicchetti mit Baccalà und Dings, von denen ich mich in Zukunft gerne ernähren würde. Und eine Geschichte in der Tasche, die zwischen den Kanälen spielt.

Jetzt auf dem Rückweg, im Zug, eine Fahrt durch eine angeberische Sommerlandschaft, die sich an einen ranschmeißt wie ein Handtuchverkäufer am Lido. He, Madam! Ein paar Wolken über gemusterter Landschaft, wie von Mariano Fortuny gemalt, in dessen Palazzo uns jedes Stockwerk ein bisschen mehr atemberaubte.

Der Zug ist überfüllt. Es ist heiß, es riecht nach Schweißfüßen. Der Speisewagen ist komplett ausverkauft. Es ruckelt ein bisschen, wie das Vaporetto, wenn es anlegt; wie das Leben, zwischendurch.

Ich glaube, wir haben ein bisschen Verspätung, aber egal, wir werden schon ankommen.


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