Schicht im Schacht

Die Arbeiterklasse hat wieder Saison, auch in der Literatur: Martin Becker und Kerstin Preiwuß begeben sich in ihren Romanen zu den Modernisierungsverlierern in die deutsche Provinz


Rezension: Klaus Nüchtern

Feuilleton | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Seit einiger Zeit ist eine Rückkehr der Arbeiterklasse zu beobachten. Von einem Erstarken der Arbeiterbewegung kann zwar keine Rede sein, aber zumindest als politische Projektionsfläche hat das Proletariat Konjunktur - und zwar meist in Gestalt von weißen, männlichen Modernisierungsverlierern aus darniederliegenden Industriegebieten, die aus Frust Donald Trump oder den Front national wählen. Die will man jetzt verstehen. Es ist also weiters nicht verwunderlich, dass sich Bücher wie Didier Eribons "Rückkehr nach Reims" oder J.D. Vance' "Hillbilly-Elegie" eines großen Leserinteresses erfreuen.

Aber auch in der schönen Literatur scheinen die Abgehängten und Frühverbrauchten einer ehemals stolzen Klasse Konjunktur zu haben. Martin Beckers Roman "Marschmusik" handelt von einer Rückkehr ins Herkunftsmilieu. Der Ort, an dem er spielt, Mündendorf, ist zwar fiktiv, aber angesichts all der ausgestreuten Autobiografie-Signale darf man dahinter wohl das sauerländische Plettenberg vermuten,

  1040 Wörter       5 Minuten
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