Ohren auf Wiener Lieder

Wenn das Herz mal wieder wie ein Stein drückt

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 22/17 vom 31.05.2017

Selbst ist der Mann, lautet die Devise: Erst kürzlich hat Ernst Molden ein Plattenlabel gegründet, nun tut es ihm der Wiener Autor und Musiker Bernhard Moshammer gleich. Seine Veröffentlichungsplattform heißt wie er (kurz: BM), die Katalognummern BM01 und BM02 kommen vom Neo-Labelmacher himself sowie dem Wienerlied-Musiker Tommy Hojsa. Die beiden haben einander 2013 bei einer gemeinsamen Arbeit fürs Burgtheater kennengelernt, seitdem hauen sie sich immer wieder auf ein Packl.

Für Hojsas "vua ana sindflud" zeichnet Moshammer nicht nur als Labelchef verantwortlich, er wirkt auf den 13 Liedern auch als Multiinstrumentalist mit. Sie "nicht eben gemütlich" zu nennen wäre euphemistisch: Hojsa, durchaus auch im klassischen Heurigenfach firm, vertont ohne falsche Frohnaturigkeit Texte unter anderem von H.C. Artmann und Gerhard Rühm. Für die Musik stand wohl Tom Waits Pate: Roh und lebendig produziert, punktet sie zugleich durch Detailgenauigkeit. Sauber schmutzig, sozusagen.

Ansprechend spröde ist auch Moshammers eigenes Album "Wir haben uns verlaufen", an dem Hojsa wiederum als Pianist und Akkordeonist mitwirkt. Zu hören sind Liedermacher-Chansons mit Americana-Erdung, markantem Banjo-Einsatz und interessanten Texten ("Schatz, reich mir den Spaten, wir vergraben unsere Daten / Wir verscharren unser Glück und kehren nie mehr zurück"). Nur als Sänger hat Moshammer seine Stimme noch nicht ganz gefunden: Wo der Kollege Dramatisches auch einmal lakonisch intoniert und seine Wiener Bluesdeutungen mit einer Idee von Soul abschmeckt, klingt er bedeutungsschwer auf eine Art, die kaum Zwischentöne zulässt.

Dass Moshammer auch anders könnte, zeigt "Von da Hoedboagheid da Liebe", eines von zwei Dialektstücken hier, das als L'Amour-Hatscher mit verzweifelten Untertönen überzeugt.


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