Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Weißburgunder ohne vom Hareter

Ein Natural Wine aus Weiden für Einsteiger und Fortgeschrittene


BT
Stadtleben | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Kellergassenfeste machen inzwischen doppelt Spaß. Man besucht ein Weingut - etwa jenes von Thomas Hareter in Weiden am See unweit Gols -und verkostet gleich zwei Weinphilosophien. Die Alten machen ihre klassischen Tropfen. Die Jungen toben sich aus. Biologisch arbeiten sie ohnehin, jetzt folgen sie dem Orange-Trend und greifen so wenig wie möglich in die Vinifizierung ein, arbeiten also ohne Hefe, ohne Schönungsmittel, meist ohne Zugabe von Schwefel und ohne Filtration.

Mitunter schmecken "orange" für Menschen, die klassische Weine gewohnt sind, irgendwie nach halbvergorenem Sturm und lassen den oder die Verkostende etwas ratlos ob des Modetrends zurück. Wieso verstehe ich diesen Wein nicht mehr?

Hareters "ohne"-Weine kommen hier wie gerufen. Sie schmecken fantastisch, pur und natürlich, aber erkennbar nach der Traube, der sie entstammen. Genau richtig "orange", könnte man so sagen.

Der "ohne"-Weißburgunder etwa. Er begrüßt im Glas mit einem goldigen, getrübten Gelb, duftet hell und klar nach Quitten, Thymian und Liebstöckel und erfreut den Gaumen mit seiner würzigen Frucht und mineralischen Kieseligkeit. Gelesen wurden die 27 Jahre alte Reben, die auf kargem Schotter in der Lage Kranawitzl bei Neusiedl stehen, von Hand im September 2015, nach zehn Tagen auf der Maische folgte der biologischer Säureabbau im gebrauchten 500-Liter-Fass, dann wurde der Wein unfiltriert abgefüllt.

Hareter hat auch einen Chardonnay, einen Pinot Noir und demnächst einen Blaufränkisch ganz "ohne" im Programm. Sechs Flaschen Natural Wine gibt es im Probierpaket für 79 Euro - da ist dann auch noch der inzwischen ausverkaufte sehr feine Cabernet Sauvignon dabei.

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise kostenlos zur Verfügung gestellt


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