Die lange Geschichte des Tabus

Das Verhältnis der SPÖ zur FPÖ war immer auch von politischer Taktik bestimmt. Wer wissen will, ob das gegenwärtige rot-blaue Tauwetter Sinn macht, sollte deshalb zurück in die Geschichte schauen


RÜCK- UND AUSBLICK: BARBARA TÓTH
Politik | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017


Foto: Georg Hochmuth / APA / picturedesk.com

Nein, diese Rolle zu spielen hätte sich Robert Misik nie vorstellen können. Der politische Autor, der gerade eine Porträt des Kanzlers Christian Kern vorgelegt hat, sitzt am Freitag vor Pfingsten im Wiener Innenstadtintellektuellencafé Korb und zieht an seiner Marlboro Gold. Es ist richtig heiß, aber Misik lässt sein Sakko heute an. Er hat vor einer Woche mit dem Nachrichtenmagazin Profil über die Folgen einer blauen Regierungsbeteiligung gesprochen. Er formulierte schnell und pointiert, wie meistens, und eine seiner Sätze ist seitdem zum Jingle für das rot-blaue Tauwetter geworden. „Rot-Blau wäre weniger unappetitlich als Schwarz-Blau“, lautet dieser Satz, der sich seitdem in jedem Artikel, jedem Kommentar und tausenden Einträgen im Netz wiederfindet, wenn es um das neue, entspannte Verhältnis der SPÖ zur FPÖ geht.

Ausgerechnet Misik, der Mann, der einst die legendären Donnerstagsdemonstrationen im Jahr 2000 gegen die schwarz-blaue Regierung Wolfgang Schüssels mitanführte. Misik, der linke Vordenker und Falter-Autor. Misik, der gerade im Wiener Schauspielhaus polit-aktionistisches Theater mit dem Namen „Agora“ macht. Wenn sogar einer wie er Rot-Blau nicht mehr als das Undenkbare und Unaussprechliche sieht, wer denn dann?

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