Kunst Vernissage

Mit Spiegeln und Knoten dem Es auf der Spur

NS | Lexikon | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Sie wollte keine Galerie mit ihrem eigenen Namen eröffnen, erzählt Laura Windhager, die seit Jänner selbstständig ist. Deswegen führte sie kurzerhand den Charakter Gianni Manhattan in die Kunstwelt ein, "das klingt ein wenig nach Gigolo". Zur Galerie im dritten Bezirk führt eine rote Tür mit der Aufschrift "Magazin" hinab ins Souterrain. Den coolen Raum mit Oberlichten auf einen Hof hat die Kuratorin, die früher für Francesca Habsburgs Sammlung TBA21 und für Hubert Winter gearbeitet hat, gemeinsam mit Freunden renoviert.

Derzeit hängen dort kleine Spiegel von der Decke, die der Künstler Simon Mathers installiert hat. In seiner Schau "You Are Underground" zeigt der 1984 geborene Londoner neue figurative Gemälde, die naiv-verträumt aussehen. Da schweben rosa Gesichter mit Schnapsnasen ballongleich in einem Wölkchenhimmel -alles in Airbrush. Vehikel wie Flieger und Autos sind in gelben Konturen nur angedeutet. Man fühlt sich nicht besonders wohl mit diesen verschwommenen Cartoon-Gesichtern, die miteinander kichern. Eine leere Sprechblase und auch weiße Buchstaben, die einige Figuren wie Masern überziehen, deuten auf einen Zustand vor der Sinnfindung hin, den ja auch der Psychoanalytiker Jacques Lacan mit seinem "Spiegelstadium" beschrieb.

Einige Häuser weiter zeigt die Galerie Loft8, die früher in der Ankerbrotfabrik war, Zeichnungen von Lavinia Lanner. Mit Bleistift kreiert die Wiener Künstlerin komplex verknotete, recht plastische Figuren, die sie mit pastellfarbenen Flächen verbindet. Der Ausstellungstitel "fighter eraser" verweist auf die Radiergummis, die für die bunten Formen Pate standen. Knoten dienten Lacan als Symbole für Fallstricke der Psyche - strukturalistische Theorie light lässt sich also auch hier gut anbringen.

Gianni Manhattan, bis 8.7. Loft8, bis 16.6.


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