Wiener Festwochen Tipps

Tanzende Mehrheit, schöpferische Minderheit


MP
Lexikon | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Tina Leisch und Bernhard Dechant wagen das Unmögliche und hieven mit 40 Menschen, die teilweise selbst schon in Traiskirchen gewohnt haben, ein ironisch distanziertes Musical über die Verhältnisse im niederösterreichischen Flüchtlingszentrum auf die Bühne: "Traiskirchen. Das Musical" von der Gruppe Die schweigende Mehrheit hat in Koproduktion mit den Wiener Festwochen am 9. Juni Premiere im Volkstheater.

Am selben Abend präsentiert auch der brasilianische Choreograf Bruno Beltrão die "Inoah (New Creation)" seiner Grupo de Rua erstmals in Wien. Die Premiere war am Pfingstsonntag in Hamburg (siehe Rezension im Feuilleton). Wie immer bei Beltrão ist es ein Abend voller Street Cred und Schweiß, diesmal auch noch mit zahlreichen Videoprojektionen (Museumsquartier, Halle G, 9. bis 12.6.).

Die Publikumslieblinge der Festwochen 2013 und 2015 kommen wieder: Das Back to Back Theatre aus Australien zeigt seine Produktion "Lady Eats Apple" von 14. bis 18. Juni im Theater an der Wien. Das Stück erzählt die Schöpfungsgeschichte neu aus der Sicht des Ensembles, das aus Menschen mit Autismus oder anderen "intellektuellen Behinderungen" besteht. Wie immer unterziehen die Spieler dabei die allgemeine Wahrnehmung des Publikums von Behinderung, Ermächtigung und Intellekt einer produktiven Probe.

Das Performeum lädt ab Donnerstag zu einer performativen Installation. Für "Haptic Field" von Chris Salter und TeZ ziehen sich die Zuschauer smarte Kleidung mit Sensoren an und setzen sich einer halluzinatorischen Umgebung aus -für eine halbe Stunde. Gleich danach wird es arschpolitisch: Das neunköpfige brasilianische Künstleraggregat Macaquinhos erforscht den "Anus als körperliche Metapher für den Süden".


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