Migration und Solidarität in the Grätzel

Aki Kaurismäkis aktueller Film "The Other Side of Hope" erzählt eine Flüchtlingsgeschichte und feiert das Prinzip Hoffnung

Michael Omasta | Kino am Dach | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Die Zeiten sind schlecht. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass die Abstände von einem Aki-Kaurismäki-Film zum nächsten immer länger werden. Von "Lichter der Vorstadt" dauerte es vier Jahre bis zu "Le Havre", von dort fast sechs Jahre bis zu "The Other Side of Hope".

Die blanke Verzweiflung hat den jungen Khaled (Sherwan Haji) dazu getrieben, Syrien zu verlassen. Als blinder Passagier auf einem Kohledampfer landet er in Helsinki und sucht um Asyl an. Bevor er abgeschoben werden kann, taucht er in der fremden Großstadt unter.

Doch mit der Not wächst auch das Rettende. Hier in Gestalt des wortkargen Wikström (Sakari Kuosmanen), eines ehemaligen Vertreters für Herrenhemden, der hoch gepokert und von seinem Gewinn ein Lokal erstanden hat: The Golden Pint - samt livriertem Türsteher, ketterauchendem Koch und einer Kellnerin.

Die großen Fluchtbewegungen der Gegenwart sind auf vielfältige Weise präsent in diesem Film. Ständig müssen Khaled und seine neu gewonnenen Freunde auf der Hut sein: vor der Polizei, den Schlägern einer finnischen Befreiungsfront oder den kurzfristig angekündigten Kontrollen durch Arbeits-und Gesundheitsamt.

Steht eine solche "Razzia" an, werden zuallererst schnell die Aschenbecher verräumt -auch das, typisch Kaurismäki, eine kleine Spitze gegen die herrschenden Verhältnisse.


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