Ein Bauchfleck mit Anlauf, A Saucerful of Horseshit

Nach Jahrzehnten des Rosenkriegs mit den Ex-Kollegen von Pink Floyd legt Roger Waters ein Soloalbum vor. Warum bloß?


FASSUNGSLOS: KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Architekt ist fraglos ein fordernder Beruf, aber wer mit ihm zurechtkommt, hat gute Aussichten auf ein langes Leben: Philip Johnson wurde 99, Margarete Schütte-Lihotzky 102 und Oscar Niemeyer sogar 104 Jahre alt. Davon, dass Architekten "schlecht altern" würden, hat man wenig vernommen, "Alterspeinlichkeit" scheint in diesem Berufsfeld nicht zu den endemischen Krankheiten zu zählen.

Wäre Roger Waters seinen Weg an der Architekturschule, wo er Anfang der 1960er-Jahre seinen späteren Pink- Floyd-Kumpeln Nick Mason und Richard Wright begegnete, zu Ende gegangen, er wäre heute mit seinen 73 Jahren ein kregler Jungspund und könnte Hochhäuser an die Themse klotzen oder mit einem radikal neuen Verständnis von sozialem Wohnbau aufhorchen lassen. Stattdessen hat er in den letzten drei Jahrzehnten hauptsächlich Rechtsanwälte beschäftigt, sich mit seinen Ex-Kollegen gekabbelt und übellaunige Interviews gegeben. Hauptverantwortlich für das supererfolgreiche und superüberschätze Konzeptalbum

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