Buch der Stunde

Ein Spatzenhirn kommt durch jede Schiebetür


KLAUS NÜCHTERN

Feuilleton, FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Es ist schwer, nicht zum Kreationismus zu konvertieren, wenn man sich ein bisschen mit der Vogelwelt befasst. Kann allen Ernstes die Evolution für eine nektarschlürfende Drohne wie den Kolibri, einen Clown wie den Kea oder einen farbneurotischen Innenarchitekten wie den in Australien beheimateten Seidenlaubenvogel verantwortlich sein, der seine Lauben mit kunstvoll arrangierten Fundstücken wie Glasscherben, Zahnbürsten und Babyschnullern dekoriert, solange diese nur in Blau gehalten sind?

Die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftspublizistin Jennifer Ackerman, deren Artikel und Essays u.a. im New York Times Magazin, Scientific America und National Geographic erscheinen, hat sich in ihrem Bestseller "The Genius of Birds" der stupenden kognitiven Fähigkeiten der Vögel angenommen und das unschöne Urteil über "Spatzenhirne" zurechtgerückt.

Tatsächlich hat der Globalisierungsgewinner und Kulturfolger Passer domesticus, der gemeine Hausspatz also, der mit einer Population von 540 Millionen

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