Der kleine Gangster-Rapper von Old Heidelberg

Coming of Age unter erschwerten Bedingungen: "Morris from America", eine Premiere in Kooperation mit Rooftop Films New York

Michael Omasta | Kino am Dach | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Früher war Heidelberg die Projektionsfläche amerikanischer Sehnsüchte. Dutzende von Hollywoodfilmen vor dem Zweiten Weltkrieg verklärten das studentische Leben in der alten Universitätsstadt mit reichlich Bier, Frauleins und Gesang.

Für Morris hingegen, den Titelhelden aus Chad Hartigans "Morris from America", bedeutet das Leben in der deutschen Kleinstadt vor allem Langeweile, keine Freunde haben, fremd sein. Morris ist 13, schwarz und nicht gerade sportlich. Dass er hier ist, hat er seinem Vater Curtis zu verdanken, der den Job als Trainer der hiesigen Fußballmannschaft angenommen hat. Und dann, eines Tages, steht sie da: Katrin, eine coole Blondine mit Sonnebrille, Tschick und New-York-T-Shirt, die zwei Jahre älter ist als Morris und ungläubig fragt: "You don't dance and you don't play basketball?" Wie könnte er sich nicht auf den ersten Blick in sie verlieben?

"Morris from America" ist keine der handelsüblichen Geschichten vom Erwachsenwerden, sondern eine melancholisch-witzige Romanze, die nebenbei von alltäglichen Vorurteilen gegenüber anderen erzählt.

Schön daran ist, dass der Film seinen Protagonisten nicht bloß ihre Sprache lässt (hier wird nicht synchonisiert, sondern abwechselnd englisch und deutsch gesprochen), sondern auch ihre ganz individuelle Ausdrucksform. Und so debütiert Morris schließlich mit Erfolg als Rapper from f***ing Heidelberg.


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