Film Neu im Kino

Doppeltes Spiel: "Die Migrantigen"

MICHAEL OMASTA | Lexikon | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Eigentlich spricht im Zweifel viel für diese Komödie. Sie hat einen guten Titel, eine absurd ansprechende Ausgangsidee und zwei sympathische Hauptdarsteller, die sich voll reinhauen. Umso erstaunlicher ist es dann festzustellen, wie lang einem "Die Migrantigen", das große Spielfilmdebüt des Wiener Regisseurs Arman T. Riahi, beim Ansehen doch wird.

Schauplatz des Films ist ein fiktives Grätzel namens Rudolfsgrund, wo eine Redakteurin und ihr Kamerateam auf der Suche nach geeigneten Protagonisten für eine Dokuserie über Jugendliche mit migrantischem Hintergrund und ihr Leben im sozialen Brennpunktviertel sind. Flugs improvisieren Benny, der arbeitslose Schauspieler, und sein bester Kumpel Marko, ein Werbegrafiker in der Insolvenz, passende Namen -Omar Sharif (ja, wie der Schauspieler) respektive Tito - und Biografien für sich.

Wie sie richtig coole "Tschuschen" werden, lernen sie von Juwel, der am Markt jobbt und ihnen abenteuerliche Geschichten auftischt, welche die beiden Möchtegern-Migranten dann vor der Kamera als ihre eigenen zum Besten geben. Leider gehen diese Wiederholungen mehr aufs Tempo, als dass sie komische Funken schlagen. Eventuell haben die Filmemacher das auch selbst gespürt, weshalb -immer wenn's besonders lustig wird! - zur Sicherheit auch noch jedes Mal Zeitlupe und mickeymousender Musikeinsatz folgen so sicher wie das Amen im Gebet.

Immerhin erlauben sich "Die Migrantigen" ein paar gut böse Oneliner à la "Das sind Fernsehleute, die koksen mit 500-Euro-Scheinen" oder "Man kann's mit der Integration auch übertreiben". Misogyn hingegen braucht man den Film nicht zu nennen: Frauen spielen -abgesehen von Doris Schretzmayer als einfältige Redakteurin -in dieser Welt allzu harmloser Klischees schlicht keine Rolle.

Ab Fr in den Kinos


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