Nistplatz in zentraler Lage

Die Stadt ist gar kein schlechter Ort für Vögel und Wien eine Weltmetropole der Turmfalken


VOGELWART: KLAUS NÜCHTERN
Stadtleben | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Sitzen eine junge Frau und ein unjunger Mann im Schanigarten einer angesagten Bobobude am Volkertmarkt. Der Mann, ein ornithologisch interessierter Literaturkritiker, macht die Frau, die seine ehemalige Yogalehrerin sein könnte, auf einen Turmfalken aufmerksam. Erstaunte Reaktion der Frau: "In Wien gibt's Turmfalken?"

Eine ähnliche Szene spielte sich Jahre zuvor ebenfalls in einem Schanigarten ab - es muss sich um das bevorzugte innerstädtische Habitat von ornithologisch interessierten Literaturkritikern handeln, denn wieder ist es ein solcher, der nach Aushändigung des urgierten Getränks vom Kellner wissen möchte, ob er die Turmfalken schon gesehen habe, die jedes Jahr in einer Dachluke der ukrainischen Kirche nisten. "Welche Turmfalken?", fragt der Kellner.

Turmfalken sind keine Heckenbraunellen. Sie wiegen circa zehnmal so viel wie der scheue Buschbräunling und sind circa hundertmal leichter zu beobachten. Sie spähen im Rüttelflug, also gleichsam in der Luft stehend, nach Beute

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