Stadtrand Urbanismus

Bourgeoise Femme fatale & schöne Linke


Barbara Tóth
Stadtleben | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Jetzt, wo die Wiener SPÖ-Sektion Neubau in ihrer großen Weisheit Götz "Sexismus-Posting" Schrage nicht ausgeschlossen, sondern nur verwarnt hat und zur Buße ein Fotoprojekt in einem Frauenprojekt aufgetragen hat, jetzt können wir uns in Ruhe dem, was der rote Bezirksrat eigentlich sagen wollte, zuwenden. Zur Erinnerung: Schrage hatte über die "jungen Damen der ÖVP Inneren Stadt" geschwärmt, die mit ihm in den 1980ern schliefen, weil sie ihn "wohl für einen talentierten Revolutionär" hielten.

Die erotische Anziehungskraft der politischen Gegensätze füllt Romane und Drehbücher. Der Film "Ninotschka" von Ernst Lubitsch zeigte Greta Garbo als verführerische Linke, die ihre Überzeugung für die Liebe zu einem bürgerlichen Bonvivant eintauscht (1939). Das Ganze geht auch andersrum. Reiche Erbin verfällt marxistischem Beau in "Eins, Zwei, Drei" von Billy Wilder (1961). Da war es die Tochter des Coca-Cola-Bosses, die sich in einen Jungkommunisten (dargestellt von Horst Buchholz) aus Ost-Berlin verliebt. Eroberungen machen einfach noch mehr Spaß, wenn man vorher Nächte durchpolitisiert und kurz die Welt gerettet hat.


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