Kommentar Südtirol

Opferland Südtirol: Nur nicht den Streit mit Italien beilegen!


MATTHIAS DUSINI
Falter & Meinung | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Vor 25 Jahren war der Streit zu Ende. Da überreichte der verstorbene Außenminister Alois Mock (Nachruf Seite 14) dem italienischen Botschafter in Wien eine diplomatische Note, die einen Schlussstrich unter den Südtirol-Konflikt zog. Der südliche Nachbar hatte die Schutzmacht Südtirols davon überzeugt, dass das Überleben der deutschsprachigen Minderheit rechtlich abgesichert ist. Um dieses Jubiläum zu feiern, reist Bundespräsident Alexander Van der Bellen am 11. Juni nach Meran und trifft dort seinen italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella.

Die Südtiroler Schützen sagten ihre Teilnahme ab, denn bei der Feier wird auch die italienische Staatshymne gespielt. Deren Text ist selbst für Native Speaker schwere Kost ("Wir sind bereit zum Tod, / Italien hat gerufen! Ja!"). Für den erzkonservativen Trachten-und Böllerverein stellt die patriotische Schlachtenschnulze indes einen willkommenen Anlass dar, um an den eigenen Opferstatus zu erinnern, der besser nicht sein könnte.

Vor knapp 100 Jahren annektierte Italien die Grenzregion. Der brutalen Unterdrückung im Faschismus folgte nach dem Kriegsende im Jahr 1945 ein langsamer Befriedungsprozess, der in einer vorbildlichen Autonomie mündete. Südtirol gehört inzwischen zu den reichsten Flecken Europas, verfügt über eine moderne Infrastruktur, die Gelder aus Rom garantieren Arbeitsplätze in der öffentlichen Verwaltung. Die Verwendung der Muttersprache wird vom Autonomiegesetz garantiert.

Den Luxusfreiheitskämpfern geht allmählich der Zündstoff aus. Die Idee einer doppelten Staatsbürgerschaft scheiterte nicht an Rom, sondern an den Freunden in Wien. Bleibt eigentlich nur mehr die Hymne -damit die Wunde weiter blutet.


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