Selbstversuch

Ich bin dann wieder mal raus hier


Doris Knecht
Kolumnen | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Wieder mal raus aus Facebook. Die Debatten nervten, die Qualität der Auseinandersetzungen ließ meinen Bullshit-Detektor praktisch permanent bimmeln und die Shitstorm-Dynamiken waren wieder einmal wirklich beängstigend. Ja, siehe Causa Schrage. Vor allem aber wurde es mir wirklich leid um die Zeit, die ich auf Facebook verplemperte. Ja, andere können einmal am Tag da reinschauen, kurz durchscrollen, paar Likes machen, nach fünf Minuten sind sie wieder draußen, passt. Andere können auch drei Zigaretten am Tag rauchen, ganz super, hab ich auch versucht, mehrmals, war dann jeweils am dritten Tag auf dem üblichen Packerl. Bei Facebook hieß das: Morgens mal kurz reinschauen, und so circa zweieinhalb Stunden später hochschrecken und feststellen, dass zweieinhalb Stunden vergangen sind, in denen man nicht an der Kurzgeschichte weitergeschrieben hat, die man schon vorgestern hätte abgeben sollen, was zu immer traurigeren Nachrichten eines reizenden Lektors führte, was einen Stress auslöst, der weder für den Organismus noch für die Psyche gesund sein kann.

Und diese zweieinhalb Stunden verlor man den Tag über noch ein paar Mal, auch, weil man schon wieder viel zu viele Freunde hatte. Eh hat man in dieser Zeit viel gelesen und gelernt, Nachrichten aus der ganzen Welt und allen Lebensbereichen eingesaugt, mit netten Menschen geplaudert und mitgekriegt, was die grad so machen und denken, was andere gerade so beschäftigt, was grad Thema ist in den Freundeskreisen, und wo sich die Leute gerade herumtreiben. Eh nett.

Aber dann auch wieder nicht so wichtig, dass man den ganzen Tag damit verbringen sollte, was der Fall war. Außerdem kennt man ein paar Leute, die nun schon länger raus sind, und die meisten scheinen es unbeschadet überstanden zu haben und kommen auch nicht wieder. Der Kollege Fasthuber, der Facebook schon lange leise Adieu gesagt hat, gratulierte mir nach dem Bryan-Ferry-Konzert jedenfalls zu der Entscheidung, indem er mir auf die Schulter haute, mit einem dieser schön definierten Arme, die er jetzt hat, seit er nicht mehr in den sozialen Medien herumgscheitelt, sondern die Zeit und die Arme zum Tennisspielen und für andere Sportarten verwendet. Au! Wir haben danach noch zwei Spritzer getrunken, glückselig von den Verheißung des wunderbaren Herrn Ferry, war das schön.

Außerdem habe ich eh die offizielle Facebook-Seite behalten, über die man hin und wieder eine Nachricht an die Welt absetzen kann. Und dann ist man jetzt auch auf Instagram, wo man natürlich umgehend das Roxy-Music-T-Shirt herzeigt, das man beim Konzert gemerchandizt hat. Super, nämlich! SMS der Teenagerin: "Mama, man muss nicht jeden Tag was auf Instagram posten!" Jaja, ist schon gut. Es ist dasselbe Kind, das einem verboten hat, mit dem pinkfarbenen Blondie-T-Shirt aus dem Haus zu gehen. "Zusammen mit diesem Rock? Ich weiß nicht, das schaut schon ein bisschen zwanghaft auf jugendlich gedingst aus " Na gut, dann nicht.


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