Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Dino der Welt der Woche

SEBASTIAN FASTHUBER | Feuilleton | aus FALTER 23/17 vom 07.06.2017

Am 7. Juni 1917 kam in Steubenville, Ohio, Dino Crocetti zur Welt - der Mann, aus dem Dean Martin werden sollte. Die besten Karten hatte er nicht. Seine Mitschüler hänselten ihn wegen seines schlechten Englischs, zu Hause wurde nur Italienisch gesprochen. Nach seinem vorzeitigen Ausstieg aus dem Schulsystem versuchte er sich als Boxer, schmuggelte Schnaps und arbeitete in Hinterzimmern als Croupier.

Wahrscheinlich wäre er als Kleinmafioso geendet, hätte er nicht eine besondere Gabe besessen: Schon seine bloße Anwesenheit machte die Menschen glücklich. Wenn er dann noch zu singen begann oder einen Witz machte, dann lachten alle mit ihm.

Seine Karriere begann er als singender Komiker an der Seite von Jerry Lewis. Bald erfreute er die ganze Welt. Später kam er und sang, wann immer Frank Sinatra ihn brauchte. Es machte ihm überhaupt nichts aus, die zweite Geige zu spielen.

Übermäßige Anstrengungen verabscheute er. Im Grunde, und das kann man in Zeiten der totalen Selbstoptimierung von Dino lernen, schien ihm seine Karriere egal zu sein. Dean Martin war von all den großen Sängern des 20. Jahrhunderts einer der talentiertesten, hatte unglaublich gute Anlagen, aber er bemühte sich nie ernsthaft, sie voll auszuschöpfen. Während Sinatra Plattenaufnahmen penibel vorbereitete, ging er ins Studio und sang, was man ihm dort vorsetzte. Hauptsache, er konnte schnell wieder zurück auf den Golfplatz.

In einer Biografie sagte seine Frau Jeannie, es gäbe über ihren Mann nicht viel zu sagen, da er so weit entfernt von sich selbst und seiner Geschichte sei. Martin verkörperte den "Menefreghismo", die italienische Form von Gleichgültigkeit, des "Draufpfeifens". Aber wenn er sang, konnte er mit seinem Charme jeden Traum verkaufen.


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