Wieder gelesen Bücher, entstaubt


BT
Politik | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Alles eine Frage des Rahmens

"Geframt","im falschen Framing","Framing-Übernahme": Nicht erst seit Elisabeth Wehlings prägnantem Buch ist unter politischen Kommentatoren das Wort "Frame" in Mode. Dieser Begriff aus der amerikanischen Kognitionsforschung heißt "Rahmung", es geht um Bilder im Kopf, die automatisch entstehen, wenn wir mit bestimmten Begriffen konfrontiert sind. "Mindestlohn" oder "Lohnuntergrenze" etwa. Heißt beides dasselbe, aber sieht die Sache von zwei ideologisch unterschiedlichen Perspektiven. Spannend sind auch Wehlings Analysen zu Begriffen rund um Flucht und Integration. Da "flutet" und "strömt" es, Grenzen werden "dicht" gemacht, und das "Boot" ist längst voll. Eine von Wehlings wichtigsten Botschaften lautet: Selbst Politiker, die bestehende "Frames" verneinen, bestärken sie indirekt. Wer also sagt: "Nein, das Boot ist nicht voll", bestätigt ungewollt den "Frame" volles Boot. Deshalb ist es wichtig, eigene Worte und Begriffe für sein politisches Wollen zu finden. Absolute Pflichtlektüre in diesem Wahlkampfjahr.

Elisabeth Wehling: Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht. Herbert-von-Halem-Verlag 2016,222 S., € 21,50


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige