Zeit am Schirm

TV-Kolumne


Birgit Wittstock
Medien | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

True-Crime-Formate, also reale Kriminalfälle in Dokumentarfilmstil aufgerollt, sind gerade das, was früher einmal "Aktenzeichen XY ungelöst" war: vermeintlich niveauvolle Gänsehautlieferanten. Weil es meist um ungelöste, dubiose Fälle geht, funktionieren sie wie ein Appell an den Zuseher, sich an der Wahrheitsfindung zu beteiligen. Was dabei gerne vergessen wird: Auch Krimidokus sind nicht objektiv, sondern zeigen nur Ausschnitte der Realität. Und: Die Protagonisten sind keine erfundenen Charaktere, sondern Menschen mit Familie und Freunden.

"The Keepers" ist nach "Making a Murderer" die neue True-Crime-Serie von Netflix. Es geht um den unaufgeklärten Mord an einer Nonne in den 1960er-Jahren, um systematischen sexuellen Missbrauch an einer kirchlichen Mädchenschule und dessen Vertuschung durch die katholische Kirche. Alles zutiefst böse und weckt sofort den inneren Detektiv. Die Macher liefern zwar viele Theorien, aber kaum Antworten, ihre Agenda ist offensichtlich: Bewegung in den Fall bringen. Hat schon bei "Making a Murderer" geklappt.


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