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Die NZZ trennt sich vom Chef aus Österreich

Bericht: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Veit Denglers Abschiedsworte klangen wie eine letzte Jubelmeldung. "Es war eine großartige Reise und ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben", twitterte er nach seinem Abgang. Der gebürtige Grazer hatte die altehrwürdige NZZ-Gruppe 2013 als Chef übernommen, um sie für den digitalen Wandel zu rüsten. Am Mittwoch erklärte der Schweizer Medienkonzern, sich von ihm zu trennen. Der Verwaltungsrat wolle die gemeinsame Strategie nicht in Denglers Sinn umsetzen.

"Die Differenzen lagen nicht auf der strategischen Ebene, sondern auf der operativen", sagt Myriam Käser, Sprecherin der NZZ-Mediengruppe. Einig sei man sich gewesen, dass die NZZ weiterhin ihren Schwerpunkt auf die Publizistik legen wolle. Es habe allerdings an anderen Fragen gehakt. Welche Projekte werden umgesetzt, wie viele insgesamt, welche zuerst? "Man kann es aber nicht an einem einzelnen Projekt festmachen", sagt Käser. Das Scheitern des österreichischen Online-Ablegers nzz.at, den Dengler im Jänner 2015 als Prestigeprojekt aus der Taufe hob und Ende April 2017 wieder einstellen musste, habe jedenfalls nichts mit seinem Abgang zu tun.

Dengler nahm in seiner Ära einige Weichenstellungen vor. Er erarbeitete eine Digitalstrategie, ließ die NZZ-Druckerei schließen und bei der Konkurrenz drucken und stellte schließlich die NZZ-Regionaltitel unter eine gemeinsame Führung.

Nach Denglers Abgang führt NZZ-Finanzchef Jörg Schnyder das Unternehmen. Dengler verweist auf Falter-Anfrage auf die NZZ-Pressestelle. Im Schweizer Medienmedium Persönlich beantwortete er die Frage, ob er nach Österreich zurückkehren werde, so: "Wir werden sehen. Jetzt mache ich erst mal Pause."


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