Menschen

Bitte keine Life-Ball-Pausen mehr!


Lukas Matzinger
Falters Zoo | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Neunzehnzweiundneunzig hat Gery Keszler den Verein Aids Life gegründet, bis 2015 hat er die Life Bälle veranstaltet. Vergangenes Jahr gab sich der Ballvati eventfrei, um sein Fest neu aufzustellen, um es besser zu machen, um mehr Leuten mehr Geld für den Kampf gegen Aids und HIV, Unwissen und Vorurteile herauszulocken. Der Ball sollte weniger Stargasttreffen und Glamoursause sein, sondern ein politischer und aktiver Player im Kampf gegen den Virus. Szenen einer Wiedergeburt:

1. Akt Natürlich war der rote Teppich ein Ereignis für sich, mit schönen Menschen in spektakulären Kostümen, die zur Eröffnungsshow am Rathausplatz stolzierten. Auf der Bühne standen Leute wie das Model Naomi Campbell und die Sängerin Joss Stone und lasen Botschaften ab, es kamen Tänzer und Orchester, ein wahlkämpfender Bundeskanzler und ein Bürgermeister, die Chansonsängerin Ute Lemper sang "Sag mir, wo die Blumen sind" und die große Dionne Warwick "What the World Needs Now Is Love".

Als Moderatorinnen wurden dem Anschein nach Menschen gesucht, die fließend deutsch und englisch singen und tanzen können. Gefunden wurden die ehemalige Song-Contest-Gewinnerin und Alleskönnerin Conchita und die ehemalige "Dancing Stars"-Gewinnerin und ORF-2-Nachtmittags-Dame Verena Scheitz. Das unbeholfene Zusammenstecken von Themen-Bauklötzen zu einer Life-Ball-Skulptur hätte man vielleicht lassen sollen, das eh witzig gemeinte Angraben der Bühnengäste auch. Phasenweise traf der metropolenhafte Red-Carpet-Spirit aufs ZDF-Fernsehgarten-Gefühl.

2. Akt Für die Besucher ist eh entscheidend, was nach Mitternacht passiert, wenn die ganze bunte Meute hinter die Rathausmauern strömt und den Ball tatsächlich mit Leben füllt. Die, die noch nie dort waren, könnten sich den Life Ball als einen einzigen großen Rave im Wiener Rathaus vorstellen, mit tollen Lautsprechern auf vielen Floors, die fast alle Techno spielen, mit begeisternden queeren Tänzern, mit einer ständigen Begegnungszone im Arkadenhof, mit vielen Trinkund Essbars und einem kleinen Casino. Natürlich ist das ganze Gelände redbullifiziert, weil Dietrich Mateschitz halt auch ordentlich Geld für die Sache springen lässt, aber das ändert nichts daran, dass der Life Ball in der Tat auch eines ist: eine der besten Partys der Stadt.

3. Akt Der Taxifahrer bei der Heimfahrt brauchte eine halbe Minute mit dem Wechselgeld, weshalb die Autos hinter ihm warten mussten. Als das Geldtaschengeklimper beendet war, stieg der Gast aus, und ein VW-Bus-Fahrer hinter ihm kurbelte sein Fenster nach unten. "De Woamen!", schrie er mit bestialischer Stimme zum Nachthimmel. Es sollte noch viele Life Bälle geben.


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