Film Neu im Kino

Kein Wunder, aber stark: "Wonder Woman"


Sabina Zeithammer
Lexikon | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Man kann schon verwirrt sein, wenn man sich diesen Film in der Originalfassung zu Gemüte führt: Mischt sich Chris Pine als US-amerikanischer Spion Steve Trevor unter deutsche Kriegsführer, die Böses planen, spricht er plötzlich mit einem merkwürdigen Akzent. Geantwortet wird ihm in ähnlicher Weise, was zur erschreckenden Vermutung führt, dass schlechtes Englisch hier vielleicht das neue Deutsch sein soll?

Beruhigend sei dazugesagt, dass Überlegungen wie diese, die während des langen Endkampfs für innere Beschäftigung sorgen mögen, vollkommen unerheblich sind. Ist die im Ersten Weltkrieg angesiedelte Handlung doch nur die Grundlage für die Heldinnenwerdung der Amazonenprinzessin Diana, deren naive Vorstellungen von Gut und Böse an der Widersprüchlichkeit der Menschen abgerieben werden.

Nach dem von biblischer Dramatik umflorten "Batman v. Superman", in dem Wonder Woman einen Gastauftritt hatte, setzt das neue DC-Werk zunächst stärker auf Humor. Aufgewachsen auf einer versteckten Insel voll kämpferischer Frauen, passt Diana nicht in die 1910er-Jahre, in denen das "schwache Geschlecht" wenig zu melden hat. Von ihren Mitstreitern alsbald akzeptiert, stürzt sie sich in den Kampf für das Gute, womit der Film in martialische Gefilde wechselt.

Patty Jenkins' "Wonder Woman" ist bei weitem keine Neuerfindung des Genres, bietet aber solide Superheldinnen-Unterhaltung, die manches Klischee aufs Korn nimmt: Hier wirft die von Gal Gadot charmant und stark verkörperte Heldin lüsterne Blicke auf den nackten Menschenmann Steve. In der Luft hängt nach dem Ende, das in die Gegenwart zurückführt, nur Dianas mittlere Vergangenheit. Sie wird wohl noch unbeleuchtet bleiben, reiht Wonder Woman sich doch als Nächstes in die "Justice League" ein.

Ab Fr im Kino (OF-3D im Artis und Village)


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