Beiß in den Stock!

Das Schäxpir-Festival zeigt Theater und Tanz für alle. Erstmals stehen zwei Regisseurinnen an der Spitze

Martin Pesl
Lexikon, FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Unter neuer Leitung startet am 22. Juni Österreichs größtes Theaterfestival für junges Publikum, das biennale Schäxpir in Linz. Die jungen Regisseurinnen Sara Ostertag (aus Wien) und Julia Ransmayr (aus Linz) haben ein internationales, durchwegs anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das ganz bewusst nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch deren Eltern, Lehrer, Großeltern und Babysitter anspricht.

Deshalb wurden dieses Jahr auch internationale Tanzproduktionen eingeladen, die bisher nicht den für die Szene typischen Stempel einer Altersempfehlung kannten: 6+, 12+, 14+. In "La Fille - Porträt eines Kindes"(Theater Phönix, 22., 23.6.) reflektiert der Choreograf Christoph Winkler die Beziehung zu seiner Tochter, und Sonya Lindfors und ihre afrofinnischen Kollegen untersuchen in dem Stück "Noble Savage" (Posthof, 29., 30.6.) das Thema Schwarzsein mit einem ganz eigenen Humor. Besonders intensiv fällt unter der neuen Leitung das Vermittlungsprogramm aus. Schulklassen werden auf einzelne Produktionen mit gezielten Maßnahmen vorbereitet -"um vor allem den Lehrenden die Angst zu nehmen", wie Ostertag erklärt.

Zur Eröffnung am 22.6. zeigt das niederländische Maas theater en dans erstmals im deutschsprachigen Raum die Produktion "Love" (ab 8) in den Kammerspielen des Landestheaters, außerdem können die Teilnehmer im Rahmen der Produktion "C" Neue Musik des dänischen Komponisten Simon Løffler wahrnehmen - aber nur, solange sie gemeinsam in einen Stock beißen. Denn der Klang wandert ausschließlich über Stock und Zähne in die Ohren. Die zehnminütige Installation ist im OK bei freiem Eintritt zu besuchen.

Das Theater des Kindes zeigt die Produktion "Bergkristall" nach dem Roman von Adalbert Stifter in einer Version für Siebenjährige (23.6. bis 1.7.). Im Theater Phönix kommt "Titan Heart" der jungen Österreicherin Alexandra Ava Koch zur Uraufführung (12+, 23.6. bis 1.7.). Außerdem sind einige der spannendsten heimischen Aufführungen der letzten zwei Jahre noch einmal in Linz zu sehen, darunter ein aufwendiges "Spiel des Lebens" vom Grazer Theater am Ortweinplatz: In "The Part of the Game-Game" hangelt man sich durch eine typisch österreichische Vita voller Vereine, Netzwerke und Eine-Hand-wäscht-die-andere-Situationen (13+, Ursulinensaal im OK, 24. bis 28.6.). Ein weiteres gefeiertes Rollenspiel kommt aus Deutschland: In der "Konferenz der wesentlichen Dinge" sortieren zehn Kinder und zehn Erwachsene das Leben neu (OK, 29. und 30.6.).

Linz, 22.6. bis 1.7.

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FALTER 25/19
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