Kunst Kritik

In den Ring mit den weichen Tonklumpen

NS | Lexikon | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Bildhauerei mit der Faust: So funktioniert die neue Werkserie "Performative Skulpturen" von Erwin Wurm, die derzeit im 21er Haus gezeigt wird. In der Mitte steht ein eineinhalb Meter hoher Boxhandschuh aus Bronze, der zwei tiefe Dellen hat. Der Künstler hat auf das aus Ton gefertigte Objekt eingewirkt, anschließend wurde es gegossen.

Monumental vergrößerte Alltagsdinge wie ein Seifenspender oder ein Handy, die Abdrücke von Schlägen und Schuhtritten tragen, stehen in der Ausstellung neben Modellen von Gebäuden (u.a. von Gefängnissen wie Stammheim oder Alcatraz) und schlichten Tonblöcken, die Wurm ebenfalls traktiert hat. Im Video wirkt der Erfinder der "One Minute Sculptures" beim Demolieren überraschend locker, geradezu tänzerisch. Da geraten die Helfer, die Wurm für eine andere Verformungsaktion engagiert hat, schon deutlicher ins Schwitzen. Es geht also nicht darum, dass der Faustabdruck quasi als Signatur direkt vom Meister kommt.

Die Plastiken aus Aluminium, Epoxidharz, Bronze und Eisen wirken dunkel und schwer. Das Display verzichtet -recht vordergründig -auf Inszenierung: Es gibt keine Sockel, die Skulpturen stehen gedrängt und teils auf Holzpaletten im Zentrum der Halle. Es sind auch nicht-manuell deformierte Ausreißer darunter, etwa das Hochhaus "Flat Iron", das zu schmelzen scheint.

Die "Wutskulptur" von 1995 könnte authentischer Zorn hervorgebracht haben; was dem Maler der Messerschnitt in die Leinwand, ist dem Bildhauer die Attacke auf den Werkstoff. Wurm macht den Zornanfall zur Methode und fährt schließlich sogar mit dem Auto in und über die Tonblöcke, sodass sie Reifenspuren tragen. Ist das nun echte Männerkunst oder vielmehr deren Verarschung? Ein billiger Schmäh allemal.

21er Haus, bis 10.9.


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