Kommentar Politik

Ein herber Verlust: Zum Abgang des Grünen Wolfgang Zinggl


Matthias Dusini
Falter & Meinung | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Der grüne Kulturpolitiker Wolfgang Zinggl, 62, wird nach den nächsten Wahlen wahrscheinlich nicht mehr im Nationalrat sitzen. Bei der Landesversammlung der Wiener Grünen schaffte er es auf keinen der vorderen Plätze. Er hatte sich gegen den Bau des Heumarkt-Hochhauses engagiert, das von seiner Parteikollegin Maria Vassilakou, die für Stadtplanung zuständige Stadträtin, abgesegnet worden war. Zinggls Dissidenz wurde als Verrat ausgelegt.

Für jeden, der sich für Kulturpolitik interessiert, ist Zinggls Ausscheiden ein großer Verlust. Keiner setzte sich so intensiv mit einem Bereich auseinander, der am Rand der Machtzentren liegt und daher zu wenig ernst genommen wird. Kultur gilt als Vergnügen nach Feierabend, die dahinterliegenden Strukturen - Förderungen, Arbeitsplätze, Verwaltung - interessieren nur wenige. Zinggl klagte bereits in den 90er-Jahren als Falter-Kritiker und Gründer des Kunstkollektivs Wochenklausur über die scheinheiligen Rituale des Kulturbetriebs. So besaß er genügend Zorn, um die Selbstherrlichkeit von Kulturmanagern zu hinterfragen. Unzufriedene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Theatern und Museen fanden bei ihm ein offenes Ohr. "Geh zum Zinggl!", hieß es, wenn ein Whistleblower nicht mehr weiterwusste.

Einmal, im Fall des geschassten Kunsthalle-Wien-Chefs Gerald Matt, schoss Zinggl übers Ziel hinaus. Da erwiesen sich die gegen den Kulturmanager erhobenen Vorwürfe als juristisch haltlos. In vielen anderen Fällen lag Zinggl goldrichtig, er ermöglichte durch parlamentarische Anfragen die Aufklärung von Malversationen. Dafür riskierte Zinggl, sich den Hass der Bussi-Bussi-Gesellschaft zuzuziehen. Ein Grund weniger, die Grünen zu wählen.


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