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Grandios: An Evening with Dustin Guy Defa

MO | Lexikon | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Ein paar Freunde sitzen im Garten an einem Tisch, eine junge Frau erzählt den Film, den sie zuletzt gesehen hat. Es geht um einen gemütskranken Mann, der ein Mädchen zu einem Date einlädt und dann ins Pornokino mit ihr geht. Später legt er sich eine Irokesenfrisur und einen Revolver zu. Die ganze Geschichte endet auf gewaltvolle, tragische Weise, so die Erzählerin. Sie selbst sei, obwohl die Kameraarbeit wirklich toll war, aber schon vorher aus dem Film rausgegangen

Bei den Arbeiten des jungen US-Regisseurs Dustin Guy Defa besteht diese Gefahr eher nicht. "Review" zum Beispiel dauert vier Minuten, "Person to Person", der längste Film im Programm An Evening with Dustin Guy Defa, knapp über eine Viertelstunde. Sie alle zeichnet ein schräger Humor aus, ihr je nach Sichtweise hippes oder nerdiges Personal agiert zeitverzögert, wie mit angezogener Handbremse. Und stets wird auch das Erzählen selbst zum Thema. So berichtet Benny, der freundliche Bart- und Brillenträger aus "Person to Person", den Kunden seines vollgeräumten Plattenladens von einem jungen Mädchen, das er am Morgen bewusstlos auf dem Fußboden vorgefunden habe. Seither weigere es sich einfach, seine Wohnung zu verlassen, benütze womöglich seine Zahnbürste und überhaupt ruiniere es ihm den ganzen Tag. Eventuell ist das fremde Mädchen beides, Wunschtraum und Albtraum zugleich.

Dustin Guy Defa besitzt einen unfehlbaren Blick für die Absurditäten des Alltags. Nirgends wird das so deutlich wie in "Declaration of War", einer Found-Footage-Arbeit, die aus TV-Bildern vom 20. September 2001 besteht und die Reaktion der Kongressabgeordneten auf die Erklärung des "War on Terror" dokumentiert: acht Minuten lang stehende Ovationen für Mr. Bush, ein Schauspiel wie zum Anpfiff des Super Bowl.

Filmcasino, Di 20.15 (anschließend: Dustin Guy Defa im Gespräch mit Dominik Kamalzadeh)


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